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Segelschulschiff : Guttenberg setzt "Gorch Fock"-Kapitän ab

Verteidigungsminister Guttenberg reagiert auf die Vorkomnisse auf der "Gorch Fock": Der Kapitän des Schulschiffes wird vom Kommando entbunden - die Ausbildung vorerst gestoppt.

6. Mai 2011: Die "Gorch Fock" legt in Kiel an. Zuvor hatte es monatelange Diskussionen um das Segelschulschiff gegeben, weil eine Anwärterin zu Tode kam.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
06.05.2011 11:396. Mai 2011: Die "Gorch Fock" legt in Kiel an. Zuvor hatte es monatelange Diskussionen um das Segelschulschiff gegeben, weil eine...

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat über zwei Monate nach dem Tod einer Kadettin auf dem Segelschulschiff “Gorch Fock“ erste Konsequenzen gezogen und den Kommandanten abgesetzt. Der CSU-Politiker habe außerdem die im südargentinischen Hafen Ushuaia ankernde Bark nach Deutschland zurückbeordert, sagte ein Ministeriumssprecher am Samstag in Berlin. Zudem werde bis auf weiteres die Ausbildung auf dem Dreimaster eingestellt. Oppositionspolitiker hatten Guttenberg vorgeworfen, nicht über den gravierenden Vorfall unterrichtet worden zu sein. Auch im Fall des in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten bekräftigten SPD und Grüne den Vorwurf, Guttenberg habe den Bundestag nicht korrekt informiert.

Zu den Gründen für die Absetzung des “Gorch-Fock“-Kommandanten sagte der Ministeriumssprecher zunächst nichts. Nach Medienberichten wurden Offiziersanwärter schikaniert. Die “Bild“-Zeitung berichtete unter Berufung auf einen ungenannten angehenden Offizier, die 25 Jahre alte Kadettin sei am 7. November dazu genötigt worden, in die Takelage zu klettern. “S. hatte vorher einem Offizier gesagt, dass sie nicht mehr kann. Er antwortete, die solle sich nicht so anstellen“, zitierte das Blatt den Mann. Die junge Frau sei kurz danach aus 27 Metern Höhe auf das Deck des Schiffes gestürzt. Mehrere Medien berichteten, die Mutter der Soldatin habe bei der Staatsanwaltschaft Kiel Strafanzeige erstattet.

Dem “Bild“-Bericht zufolge weigerten sich vier Offiziersanwärter nach dem Tod der Kameradin, wieder in die Takelage zu klettern. Ihnen sei daraufhin die Offizierseignung aberkannt worden. Nur vier Tage nach dem tödlichen Sturz sei zudem auf dem Schiff Karneval gefeiert worden, ohne Rücksicht auf die Trauer um die umgekommene Soldatin. Der “Spiegel“ berichtete, ehemalige Offiziersanwärter schilderten, dass die Stammbesatzung der “Gorch Fock“ die Offiziersanwärter drangsaliere. Auf Beschwerden hin soll ein Offizier einem Unteroffizier gesagt haben, er solle lieber nachgeben, “sonst haben Sie kein gutes Leben an Bord“.

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold erklärte, er habe schon Anfang Dezember vom Verteidigungsministerium Informationen über den tödlichen Zwischenfall und den Widerstand der Offiziersanwärter verlangt. Vom Ministerium sei erklärt worden, es gebe keine Probleme, nur “emotionale Spannungen“ unter der Besatzung, sagte Arnold der “Süddeutschen Zeitung“. (Reuters)

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