Politik : Sehnsucht nach einem Mann des Ausgleichs

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Von Karsten Plog, Kiel

Peter Harry Carstensen (55) aus dem Eklsisabeth-Sophien-Koog auf der Halbinsel Nordstrand gilt als volkstümlicher Mann, was ihm besonders bei Bauern, Fischern und Jägern im Land zwischen Nord-und Ostsee viele Freunde beschert hat. Jetzt soll der Nordfriese, der dem Bundestag seit 1983 angehört und gegenwärtig dort dem Agrarausschuss vorsitzt, die seit Jahren zerstrittene CDU im nördlichsten Bundesland einigen.

Carstensen ist der einzige Kandidat für das Amt des Landesvorsitzenden, der an diesem Samstag auf einem Landesparteitag in Norderstedt gekürt werden soll. Der bisherige Amtsinhaber, Johann Wadephul, tritt nicht wieder an, nachdem er kürzlich mit dem Versuch gescheitert war, Chef der Landtagsfraktion zu werden. Der schwergewichtige Großbauer und Agraringenieur von der Westküste ist als einziger Kandidat übrig geblieben. Sein Berliner Fraktionskollege Dietrich Austermann (60) hat auf eine Bewerbung verzichtet und will jetzt mit Carstensen zusammen eine Art Doppelspitze bilden, deren erklärtes Ziel es ist, die rot-grüne Landesregierung und vor allem Ministerpräsidentin Heide Simonis möglichst bald zu kippen, nicht erst bei der Landtagswahl 2005. Carstensen wörtlich: „Ich gehe davon aus, dass wir das hinkriegen, dass eine Ablösung von Frau Simonis nicht noch drei Jahre warten muss.“ Nach den vielen Affären könne es nicht nur darum gehen, einige Pferde zu wechseln, „der Kutscher muss vom Bock".

Neue programmatische Impulse werden von dem konservativen Carstensen nicht erwartet. Er gilt als Mann des Ausgleichs. Den genau wünschen sich jetzt viele Parteimitglieder, nachdem die Querelen um Wadephul einmal mehr gezeigt haben, wie zerstritten die Partei ist. Die Ursachen reichen bis in die 80er Jahre zurück, als die Union infolge der Affäre um Ex-Ministerpräsident Uwe Barschel die Macht im Land verlor und in die Opposition geschickt wurde.

Die Frage ist, ob die Kür Carstensens bereits eine Vorentscheidung für die CDU- Spitzenkandidatur im Jahr 2005 wäre. Austermann, der mit Carstensen politisch auf einer Welle sendet, hat bereits einen Fingerzeig gegeben: „Wenn er es gut macht, geht kein Weg an ihm vorbei.“ Doch auch in den eigenen Reihen gibt es Zweifel, ob Carstensen geeignet wäre. Gut möglich, dass Schleswig-Holsteins CDU wie zuletzt im Fall Rühe außerhalb der eigenen Parteiprovinz eine Spitzenkraft anwirbt, weil es in den eigenen Reihen an überzeugenden Bewerbern fehlt.

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