Politik : Sein Herz schlägt links

Cordula Eubel

Berlin - Als Verräter sieht Charly Lehnert sich nicht. „Ich bleibe Sozialdemokrat, zumindest vom Herzen, auch wenn ich jetzt nach 35 Jahren aus der Partei geschmissen werde.“ Seine Genossen im Saarland hat der 69-jährige in den vergangenen Tagen in Aufregung versetzt. Weil er den Wahlkampf von Oskar Lafontaine managen will, der als Spitzenkandidat der Linken antritt, um hier im Herbst 2009 wieder Ministerpräsident zu werden.

Eine Personalie, die Lafontaine diebisch gefreut haben dürfte. Nicht nur, weil sein Duzfreund Lehnert für ihn in den 80er und 90er Jahren mit seiner Agentur erfolgreich mehrere Wahlkämpfe organisiert hat. Auch weil er damit seiner früheren Partei, der SPD, einen Nadelstich versetzen kann. Dass er sich von Lafontaine instrumentalisieren lasse, bestreitet Lehnert. „Ich fände es gut, wenn es auch einen Stimmenzuwachs für die SPD gibt“, sagt er mit ruhiger Stimme.

Der Mann mit dem Schnauzbart hat schon vieles in seinem Leben gemacht: Er war Volksschullehrer, Schildermaler, Autolackierer, Musiker und Werbefachmann. Heute ist er Autor und Verleger. Mitte Juli habe Lafontaine ihn angeheuert, „weil ich weiß, wie die Saarländer ticken“, sagt Lehnert, der sich selbst als „Berufs-Saarländer“ bezeichnet. Seit 1986 betreibt er einen Verlag, in dem er Bücher über seine Heimat herausgibt – über Mundart, Witze und regionale Küche („Dibbelabbes“). Lafontaine kennt er bereits seit den 70er Jahren.

„Einer von uns“, stand auf den Plakaten mit Lafontaines Porträt, die Lehnert damals bei den Landtagswahlen entwarf. Er ließ Aufkleber verteilen, auf denen einfach nur „Oskar“ stand. Auch wenn ein Wahlkampf heute mit ganz anderen Mitteln geführt wird als früher, so ist für den Werbefachmann Lehnert doch eines sicher: Für die Saarländer ist Lafontaine immer noch „der Oskar“. Dass seine Glaubwürdigkeit durch den Parteiwechsel gelitten habe, glaubt Lehnert nicht.„Die Leute unterscheiden nicht groß, ob er Chef der Linken oder SPD- Chef ist.“ Zudem sei Lafontaine immer noch ein „Ur-Sozialdemokrat“, der sich – anders als mancher SPD-Politiker – nicht weit von den Leuten entfernt habe.

Dass Lehnert ausgerechnet Lafontaine unterstützen will, war dem SPD-Landesverband dann doch zu viel. Wenn er noch einen Funken Anstand im Leib habe, solle er die SPD verlassen, empörte sich Landeschef Heiko Maas. Mitte der Woche beschloss der SPD-Landesvorstand, ein Parteiausschlussverfahren einzuleiten. Nicht nur, weil Lehnert bei den Landtagswahlen den Linken-Wahlkampf organisiert, sondern auch, weil er in Interviews nüchtern festgestellt hatte, dass die Wähler darüber entscheiden sollten, ob Lafontaine wieder Ministerpräsident werde.

Dass er die Aufregung in der Saar-SPD albern findet, daraus macht Lehnert keinen Hehl. Lächerlich findet er auch den Beschluss, Lafontaine auch dann nicht zum Ministerpräsidenten zu wählen, falls die Linke stärker als die SPD werden sollte. Lehnert selbst fände es gut, wenn es im Herbst 2009 eine linke Mehrheit im Saarland geben sollte. „Mein Herz schlägt links“, zitiert er seinen Freund Lafontaine. Doch in dessen neue Partei will er nicht eintreten, stellt Lehnert klar: „Ich bin lieber parteiloser Sozialdemokrat.“

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