Politik : Seine Fasson

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

In dieser Jahreszeit, in Berlin als der bleierne Endfebruar verschrien, weil man sich selten so sibirisch vorkommt wie im vierten Monat des Frosts, andernorts dagegen als fünfte Jahreszeit herbeigesehnt, wenn sich ein Großteil des Volkes also ins närrische Treiben stürzt, dann hat dies auch Auswirkungen auf den Habit der Gattung Politiker. Diese taucht nämlich ab. Selten sind Abgeordnete und Minister unerreichbarer als zwischen Weiberfasnacht und Faschingsdienstag. Erst am Aschermittwoch tauchen sie dann wieder auf, um ihre deftigen Reden unter das erschlaffte Volk zu bringen. Sieht man genauer hin, dann zerfällt die Gattung der Politiker in zwei Familien. Die einen nämlich feiern kräftig mit und entfliehen kostümiert in die Anonymität des Straßenkarnevals. Die anderen flüchten auch, aber vor den tollen Tagen. Sie nutzen die Gunst des Kalenders und treten jene Arbeitsbesuche in entlegenen Ländern an, die sie seit Jahren im Terminplan vor sich herschieben. Beide, die Karnevalisten wie die feierunwilligen Auslandsreisenden, sind also weg.

Als zwar ganz fröhlicher Mensch, aber nicht gerade Obernarr, gilt Maut-Manni, bürgerlich: Manfred Stolpe, Verkehrsminister. Dessen Bedarf an Jubel, Trubel und aufgesetzter Heiterkeit ist spätestens seit dem Verhandlungsmarathon mit Toll Collect Montagnacht gedeckt. Am Morgen danach meinte Stolpe im semisibirischen Berlin: „Man sollte öfters mal durchmachen. Aber hier ist ja kein Karneval.“

Stolpe ist eben konsequent. Wem das lokale Brauchtum keinen Fasching beschert, der schafft sich selbst den Anlass für turbulente Nächte ohne jeden Schlaf. Helau, Alaaf!

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