Seit 1990 im US-Gefängnis : Inhaftierter Deutscher setzt auf „Pussy Riot“

Mitte September will sich der Bewährungsausschuss in Virginia mit dem Fall des seit 1990 inhaftierten Deutschen Jens Söring befassen. Zuvor appellieren mehrere Bundestagsabgeordneten an die US-Behörden.

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Mehr als die Hälfte seines Leben verbrachte Söring (hier auf einem undatierten Bild) bisher im Gefängnis. Der US-Bundesstaat Virginia lässt ihn nicht in seine deutsche Heimat zurückkehren.
Mehr als die Hälfte seines Leben verbrachte Söring (hier auf einem undatierten Bild) bisher im Gefängnis. Der US-Bundesstaat...Foto: picture-alliance/ obs

Im Kampf um die Haftüberstellung oder Bewährung von Jens Söring, der seit 1990 in den USA im Gefängnis sitzt, lassen deutsche Politiker nicht locker. Der Sprecher der Arbeitsgruppe Menschenrechte der SPD-Bundestagsfraktion, Christoph Strässer, richtete jetzt einen Brief an den Vorsitzenden des Bewährungsausschusses im US-Bundesstaat Virginia, William Muse. Nach Informationen Strässers will sich der Ausschuss unter Leitung von Muse am kommenden Montag in einer Anhörung mit dem Fall befassen. Söring ist verurteilt wegen Doppelmordes. Der Sohn eines deutschen Diplomaten soll 1985 in Detroit die Eltern seiner damaligen Freundin umgebracht haben. Ein Geständnis hat er widerrufen und behauptet, er habe seine damalige Freundin, die Tochter der Opfer, decken wollen. Strässers Erwartung, dass der Ausschuss Söring begnadigt, ist nicht sehr groß. Es sei aber „die letzte formale Perspektive, die wir noch haben“, sagte er dem Tagesspiegel.

Der SPD-Politiker bescheinigte Söring in dem Brief an Muse, der dem Tagesspiegel vorliegt, er sei „ rehabilitiert und wäre zweifellos in der Lage, sich in die deutsche Gesellschaft zu reintegrieren“. Eine Auslieferung Sörings nach Deutschland berge keinerlei Risiko für die Allgemeinheit. Söring nach mehr als einem Vierteljahrhundert in amerikanischer Haft auszuliefern, „wäre zweifellos ein Akt der Gnade“. Der jüngste Appell reiht sich ein in zahlreiche weitere Initiativen zugunsten von Söring. Im Juli war ein Brief von 54 Bundestagsabgeordneten aus allen Fraktionen bekannt geworden, die sich vom Gouverneur Virginias, Robert McDonnell, eine „bedeutende humanitäre Geste“ erhofften. Parallel schrieb der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz an McDonnell. Seiner Auffassung nach ist es mit der Menschenwürde nicht vereinbar, dass ein Urteil auf „lebenslang“ tatsächlich ein „lebenslang“ ohne Aussicht auf ein Leben in Freiheit bedeutet. Unabhängig von seiner möglichen Schuld oder Unschuld „wäre in Deutschland seit langem die Grundvoraussetzung für seine Entlassung gegeben“.

Auch die Bundesregierung „setzt ihren Einsatz für Herrn Söring unvermindert fort“, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes dem Tagesspiegel sagte. Die Botschaft in Washington halte engen Kontakt zu Söring und betreue ihn konsularisch. „Die bisherige Weigerung der US-Behörden, einer Haftüberstellung zuzustimmen, war und ist enttäuschend.“

Söring selbst schrieb in seinem jüngsten Newsletter, es sei „schlicht unglaublich, wie viele Abgeordnete mir helfen wollen, und wie energisch und nachhaltig einige Politiker sich für mich einsetzen“, während kein einziger US-Politiker nach Gnade für ihn rufe. Söring verglich seinen Fall mit dem der russischen Punk-Rock-Band „Pussy Riot“, deren Musikerinnen zu mehrjähriger Lagerhaft verurteilt worden waren. Er forderte seine Unterstützer auf, eine Tournee von „Pussy Riot“ nach Deutschland zu organisieren. „Die Mädels sollen vor der US-Botschaft in Berlin ein Konzert für mich abhalten“, so Söring in seinem Rundbrief.

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