Sekten-Beratungszentrum : "Die Salafisten sind für junge Muslime wie eine Familie"

In der Sekten-Informationsstelle des Landes Nordrhein-Westfalen melden sich auch Angehörige von Jugendlichen mit Kontakten in die Salafisten-Szene. Christoph Grotepass berät sie.

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14.04.2012: Am Potsdamer Platz in Berlin verteilen Salafisten Exemplare des Koran an Passanten.Weitere Bilder anzeigen
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14.04.2012 14:3814.04.2012: Am Potsdamer Platz in Berlin verteilen Salafisten Exemplare des Koran an Passanten.

Herr Grotepass, Sie beraten Angehörige von Menschen, die sich radikalisieren und Sekten anschließen. Sind Ihnen dabei auch Fälle aus der Salafisten-Szene vorgekommen?

Die Thematik beschäftigt uns erst seit wenigen Jahren. Deshalb haben wir nicht viele Beratungsfälle aus diesem Milieu. Aber mir ist ein Fall bekannt, in dem der Betroffene tatsächlich in ein Ausbildungscamp ins Ausland gegangen ist. Zu diesem Menschen haben wir keinen Kontakt mehr. Ich möchte aber betonen, dass das Einzelfälle sind und wir noch nicht viel Erfahrung mit radikalisierten Muslimen haben.

Wer kommt zu Ihnen und warum?

Es sind vor allem Eltern, die sich Sorgen machen um ihre heranwachsenden Kinder. Sie suchen unsere Beratungsstelle auf, weil sie bemerken, dass sich ihre Kinder stark verändert haben. Wir hatten mit Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren zu tun.

Verläuft die Radikalisierung junger Muslime anders als bei anderen Glaubensrichtungen?

Bestimmte Züge kennen wir aus dem fundamentalistischen Christentum. Zum Beispiel die Suche nach klaren Regeln, die für alle gelten sollen.

Woher kommt diese Sehnsucht?

Die Betroffenen sind oft junge Männer mit einem geringen Selbstwertgefühl. Feste Bezugspunkte sind da wichtig für die eigene Stabilität.

Woran erkennt man, dass ein Jugendlicher in die Islamisten-Szene gerät?

Die Radikalisierung macht sich vor allem in der strikten Trennung der Geschlechter bemerkbar. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau wird von den Salafisten strikt abgelehnt. Stattdessen wird die Gleichwertigkeit propagandiert, die allerdings umgedeutet wird. Auch die Argumentationsmuster verändern sich auffallend.

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