Sekten : Wie gefährlich ist Scientology?

18.01.2012 15:04 Uhrvon

Der Psychokonzern wollte „den Planeten säubern“, eine neue Gesellschaft gründen und „geistig gestörte“ Menschen befreien. Doch jetzt zeigt sich: Die Sekte ist trotz neuer Werbeoffensiven dem eigenen Untergang nahe.

Versteckt hinter Tarnorganisationen

Die Sektenexperten sehen keinen Grund zur Entwarnung. Der Wille, die Welt zu erobern, sei ungebrochen, sagt Stefan Barthel von der Berliner Sektenleitstelle. Nach wie vor finden Schulen und Jugendclubs Werbung von Scientology in der Post, häufig auch von Tarnorganisationen wie „Sag nein zu Drogen, sag ja zum Leben“ oder „Jugend für Menschenrechte“, bei denen nicht auf den ersten Blick klar ist, dass Scientology dahintersteckt. Auch beim Karneval der Kulturen wollte Scientology mitmachen. Wer eine Immobilie kaufen will, kann Scientologen vor allem in Charlottenburg und Wilmersdorf in die Arme laufen. Und auch Bundestagsabgeordnete sind nie sicher vor ihnen. Sie werden regelmäßig von der Sekte angeschrieben und angesprochen – „in letzter Zeit wieder verstärkt“, heißt es aus dem Bundesfamilienministerium. Nach wie vor beobachtet Scientology genau, was politisch vor sich geht – bis hinein in die Berliner Bezirksparlamente. Als die Zwickauer Neonazi-Zelle aufflog, forderte die Organisation wenige Tage später per Mail an Landtags- und Bundestagsabgeordnete, der Verfassungsschutz solle seine „Ressourcen dort einsetzen, wo sie benötigt werden“ und Scientology in Ruhe lassen.

Offenbar gab es auch Versuche, die junge Piratenpartei zu unterwandern. Gegen ein Düsseldorfer Parteimitglied läuft mittlerweile ein Parteiausschlussverfahren, weil sich der Mann als Scientologe geoutet hat.

In Nordrhein-Westfalen sind die Mitgliederzahlen laut Verfassungsschutz „in den letzten Jahren stark gestiegen auf derzeit 600“. Scientology nutze die neuen Medien intensiv für Werbung und Manipulation und bediene sich Plattformen wie Youtube und Twitter, sowie sozialer Netzwerke wie Facebook, StudiVZ oder SchülerVZ, warnen die Verfassungsschützer. Sabine Riede von der „Sekten-Info NRW“ sagt, dass die Sekte versucht habe, Versicherungen zu unterwandern – bislang wohl ohne Erfolg.

Man ist an jenem Freitag im Januar noch nicht wieder von dem Ausflug in die Otto-Suhr-Allee zu Hause, da ist schon eine Mail von Sabine Weber im Postfach. Scientology habe in der Hauptstadt seit Ende 2006 „einen riesigen Sprung nach vorn vollzogen“, schreibt die Präsidentin von Scientology in Berlin. Damals seien 15 Mitglieder hauptamtlich aktiv gewesen, bei der Eröffnung der neuen Zentrale seien mehr als 100 hauptamtlich Aktive dabei gewesen. Mittlerweile seien es um die 90. Die Zahl der einfachen Mitglieder habe sich von 200 auf 600 verdreifacht. Ein Blick ins Archiv fördert zutage: Vor fünf Jahren, Anfang 2007, hatte die Organisation auch schon angegeben, in Berlin 600 Mitglieder zu haben.

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