Politik : Sektor oder Zone: Was sollen die Russen bekommen?

MOSKAU (AFP). Im Streit zwischen der Nato und Moskau um die Einbindung der russischen Truppen in die internationale Kosovo-Friedenstruppe KFOR haben Worte anscheinend sehr großes Gewicht. So sagte US-Vizeaußenminister Strobe Talbott am Wochenende nach seinen Verhandlungen in Moskau über Verantwortlichkeiten und Kommandostruktur im Kosovo, Rußland werde ein eigenes "Gebiet" erhalten, in der die Verantwortung Moskaus "klar und sichtbar" sein werde. Daraufhin sah sich seine Chefin, US-Außenministerin Madeleine Albright, veranlaßt zu betonen, daß Rußland, das sich nicht dem Nato-Kommando unterstellen will, auf keinen Fall einen eigenen "Sektor" bekommen könne.

Im Falle Rußlands fürchtet der Westen nämlich, die Schaffung eines russischen Sektors könne ähnlich wie in Berlin zu einer Teilung des Kosovo führen. Für Rußland ist die Formulierung jedoch wichtig, um das Erreichte als Erfolg verkaufen zu können.

Bislang ist vorgesehen, im Kosovo fünf Militärsektoren zu bilden, die von den USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien kontrolliert werden. Die Sektoren sind in verschiedene Zonen unterteilt. Die Kommandeure der Sektoren unterstehen alle KFOR-Kommandeur Michael Jackson. Im Westen gibt es Überlegungen, den Russen eine Zone beispielsweise innerhalb des deutschen Sektors zuzuteilen. Moskau fordert jedoch einen eigenen Einflußbereich. Da Rußland aber kein Bündnispartner ist, will die Nato dies den russischen Truppen auf keinen Fall zugestehen. Statt dessen sollen sie "integriert" werden, um sie besser kontrollieren zu können.

Die Entscheidung soll möglicherweise erst am Wochenende beim G-8-Gipfel in Köln auf höchster Ebene zwischen US-Präsident Bill Clinton und dem russischen Präsidenten Boris Jelzin fallen.

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