Politik : Selbstmord oder Mord?

Der irakische Geheimdienst präsentiert Fotos des erschossenen Terroristen Abu Nidal – trotzdem bleibt sein Tod rätselhaft

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Bagdad/Kairo. Drei Mal ist Sabri el Banna, alias Abu Nidal, in den vergangenen Jahren schon totgesagt worden. Jedes Mal tauchte der palästinensische Top-Terrorist, der in den 70er und 80er Jahren mit Attentaten und Flugzeugentführungen in der westlichen Welt Angst und Schrecken verbreitet hatte, in einem arabischen Land wieder auf. Nun hat der irakische Geheimdienst Fotos des sterbenden Abu Nidal veröffentlicht, die angeblich direkt nach dem tödlichen Schuss aufgenommen wurden.

Nicht zu erkennen ist auf dem Foto, ob Abu Nidal sich tatsächlich mit einem Schuss in den Mund selbst getötet hat, weil die Iraker ein von ihm geplantes Komplott aufgedeckt hatten – so die offizielle irakische Version – oder ob ihn seine irakischen „Bewacher“ mit vier Schüssen niedergestreckt haben, wie dies palästinensische Quellen behaupten.

Wahrscheinlich ist jedoch, da dies sowohl von palästinensischen als auch von irakischen Informanten berichtet wird, dass der an Leukämie erkrankte 65-Jährige Pläne gehegt hatte, die sich entweder direkt oder indirekt gegen irakische Interessen richteten. Denn in den mehr als zwei Jahren zuvor hatte die irakische Regierung den weltweit gesuchten Terroristen, der für den Tod von insgesamt 280 Menschen verantwortlich sein soll, schließlich als „Gast“ geduldet.

Die Iraker behaupten, Abu Nidal habe auf der „Gehaltsliste“ eines ausländischen Geheimdienstes gestanden. Die Tatsache, dass sie den Auftraggeber nach eigenen Angaben zwar kennen, aber offiziell nicht nennen wollen, lässt vermuten, dass sie die Schuldigen im Nachbarland Kuwait glauben. Denn angesichts der US-Drohungen mit einem Sturz des Regimes von Präsident Saddam Hussein wäre ein Verbal-Krieg mit dem Nachbarland, das seit der irakischen Invasion von 1990 einen tiefen Groll gegen Bagdad hegt, kontraproduktiv. Schließlich ist den Irakern momentan nichts wichtiger, als die Beziehungen zu ihren Nachbarländern zu pflegen, damit diese die Amerikaner nicht bei einem eventuellen Angriff auf Bagdad unterstützen. Anne-Beatrice Clasmann (dpa)

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