Politik : Selbstmordanschlag auf Moschee in Indonesien

Sascha Zastiral

Bangkok - Vermutlich ein Selbstmordattentäter hat sich am Freitag in der Stadt Cirebon in Westjava in einer Moschee in die Luft gesprengt und dabei 28 Menschen verletzt. Die meisten Opfer waren Polizisten, da sich die angegriffene Moschee im Polizeikomplex befindet. Augenzeugen berichteten, der vermutete Attentäter seit ganz in Schwarz gekleidet gewesen und habe mit den anderen Gläubigen gebetet. „Plötzlich gab es in der dritten Reihe eine Explosion. Ich war in der letzten Reihe“, sagte ein Beobachter. „Es erscheint wie ein Selbstmordanschlag. Die Person wurde dabei getötet.“

Polizeireviere im gesamten Land wurden zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono verurteilte den Anschlag scharf. Indonesien, der bevölkerungsreichste muslimische Staat der Welt, sieht sich damit möglicherweise einer erneuten Terrorwelle ausgesetzt. Erst vor einem Monat haben Unbekannte mehrere Paketbomben an Mitglieder religiöser Minderheiten geschickt. In der Vergangenheit haben sich Militante mit ihren Anschlägen auf westliche Ziele konzentriert. Nun nehmen sie offenbar den indonesischen Staat ins Visier.

Dabei war sich Indonesien bis vor kurzem sicher, das Problem des Terrorismus unter Kontrolle gebracht zu haben. Seit der Anschlagserie auf Luxushotels in Jakarta vor zwei Jahren haben Polizisten bei Razzien mehrere mutmaßlicheTerroristen festgenommen oder getötet. Die Politik begegnete dem Problem durch verschärfte Antiterror-Gesetze, speziell ausgebildete Einheiten und internationale Kooperationen. Der Zeitpunkt der jüngsten Anschläge ist präzise gewählt. Derzeit steht in Jakarta der radikale Kleriker Abu Bakar Bashir vor Gericht. Der 72-Jährige, der sich mehrfach als Anhänger von Osama bin Laden bezeichnet hat, gilt als geistiger Vater radikaler Gruppen. Er soll ein kürzlich von der Polizei zerschlagenes Terrorlager in der Provinz Aceh unterstützt und an der Planung von Terrorangriffen beteiligt gewesen sein. Analysten befürchten daher, dass das Terrorproblem in Indonesien noch lange nicht beseitigt ist. Sascha Zastiral

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