Politik : Selbstmordattentäter in Lahore töten mindestens 20 Menschen

Christine Möllhoff

Neu Delhi - Im ostpakistanischen Lahore sind am Dienstag bei zwei Bombenanschlägen mindestens 21 Menschen gestorben, mehr als 100 wurden verletzt. 17 Menschen wurden getötet, als eine Autobombe vor dem regionalen Hauptquartier des pakistanischen Bundeskriminalamts explodierte. Vier Menschen starben bei einem Anschlag nahe des örtlichen Hauptsitzes der Bhutto-Partei PPP.

In Pakistan greift der Terror zunehmend auf Regionen über, die bisher als eher ruhig galten. Im Januar waren in Lahore, mit seinen Unis, Museen und Galerien auch „Stadt der Gärten“ genannt, 19 Menschen bei einem Selbstmordanschlag vor dem Obersten Gericht getötet worden. Vergangene Woche starben vier Menschen bei einem Anschlag.

Pakistans künftige Regierung steht vor der Frage, wie sie den Terror eindämmen kann. Doch rund drei Wochen nach der Parlamentswahl streitet die siegreiche PPP noch, wer Premier werden soll. Zunächst hatte Vizeparteichef und Bhuttos Witwer Asif Ali Zardari dafür den angesehenen PPP-Vize Makhdoom Amin Fahim genannt. Doch die Zeitung „ The News“ berichtete, der unpopuläre Zardari wolle nun selbst Regierungschef werden. Weil Zardari aber erst bei Nachwahlen ins Parlament gelangen kann, wolle die PPP einen Übergangspremier für drei Monate installieren. Gegen Zardari nimmt sich der gleichfalls unpopuläre Präsident Pervez Musharraf wie ein Chorknabe aus. Die Vorwürfe gegen Zardari reichen von Korruption, Bestechung und Erpressung bis zu Mord. Zwar wurden viele Anklagen gegen ihn fallen gelassen, aber dies scheint vor allem politischem Druck geschuldet.

Da die PPP bei der Wahl stärkste Partei wurde, aber keine Mehrheit erreichte, will Zardari mit dem früheren Erzrivalen Nawaz Sharif und dessen Muslim-Liga eine Koalition bilden. Jedoch sind beide über das Schicksal Musharrafs uneins. Sharif möchte Musharraf aus dem Präsidentenamt zwingen, Zardari laviert. Angeblich auf Druck der USA. Washington stützt dabei die beiden unbeliebtesten Politiker des Landes. Christine Möllhoff

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