Politik : Selbstmordattentat am Pessachfest

Palästinenser reißt acht Menschen mit in denTod / Hamas: Konsequenz der Aggressionen Israels

Charles A. Landsmann[Tel aviv]

Jüdisches Pessachfest und palästinensischer „Tag des Gefangenen“: Ein Selbstmordattentäter riss am Montag in Tel Aviv acht Israelis mit sich in den Tod und verletzte Dutzende, einige von ihnen schwer. Die alte Bus-Zentralstation in „Downtown“-Tel Aviv war seit jeher bevorzugtes Ziel palästinensischer Terroristen. Zuletzt jagte sich vor drei Monaten, am 19.Januar, ein Selbstmordattentäter im Schnellimbiss „Felafel Rosh Ha’Ir“ in die Luft, ohne allerdings jemanden zu töten außer sich selbst. Diesmal gelang es dem jungen Täter nicht, in das seither durch einen Zaun abgesicherte offene Lokal einzudringen. Er sprengte deshalb zur Mittagsstunde einen auf dem Körper getragenen, viele Kilo schweren Bombengürtel direkt vor dem Eingang.

Fünf Passanten wurden sofort getötet, drei weitere starben am späteren Nachmittag in den Krankenhäusern, in die sie eingeliefert worden waren. Drei weitere Verletzte schwebten in Lebensgefahr, Dutzende befanden sich in stationärer Behandlung, darunter mehrere schwer Verletzte.

Sowohl der Islamische Dschihad als auch die zur Fatah gehörenden Al-Aksa-Brigaden übernahmen die Verantwortung für die Tat des aus der nördlichsten Westbank-Stadt Jenin stammenden Täters. Es handle sich um einen Racheakt für den anhaltenden Artilleriebeschuss des nördlichen Gazastreifens durch die israelische Armee – eine Vergeltung wiederum für die seit Wochen von dort gegen israelische Kibbuzim und Städte abgefeuerten Kassam-Raketen.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte zwar den Anschlag sofort in deutlichen Worten. Von der neuen Hamas-Regierung unter Ismail Haniyeh war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Später bezeichnete die Hamas das Attentat als Akt der Selbstverteidigung. „Diese Operation ist die natürliche Konsequenz der Aggressionen Israels“, sagte ein Hamas-Sprecher der Agentur AFP.

Der Anschlag warf einen schweren Schatten auf die Zeremonien aus Anlass der ersten Sitzung des neu gewählten israelischen Parlaments. Der amtierende Ministerpräsident Ehud Olmert gab sich auf einer Regierungssitzung unerbittlich im Kampf gegen den Terror.

Die israelische Armee hat seit Wochen die gesamten palästinensischen Gebiete hermetisch abgeriegelt. Die Polizei verstärkte aus Anlass des einwöchigen Pessachfestes ihre Präsenz an allen Orten, an denen es zu Menschenansammlungen kommt. Wegen rund 80 allgemeinen und 19 gezielten Terrorwarnungen wurden die Sicherheitskräfte in die zweithöchste Alarmbereitschaft versetzt. Doch für den Tatort vom Montag lag keine spezifische Warnung vor.

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