Politik : Sellering neuer SPD-Chef in Mecklenburg-Vorpommern

Andreas Frost

Salem - Die SPD Mecklenburg-Vorpommerns hat Erwin Sellering zum neuen Landesvorsitzenden gewählt. Auf dem Landesparteitag in Salem bei Malchin erhielt er am Sonntag 73 von 93 möglichen Stimmen. Obwohl der 58 Jahre alte Schweriner Sozialminister zehn Jahre älter ist als sein Amtsvorgänger Till Backhaus, sprechen die Sozialdemokraten vom Generationswechsel, den die Partei damit einleitet. Sellering selbst wehrt bislang jedoch die Spekulation ab, wonach dieser Generationswechsel einbezieht, dass er demnächst Ministerpräsident in Schwerin wird.

Dabei hätte der ruhige, lässige und meist freundlich wirkende einstige Verwaltungsrichter durchaus bessere Chancen, Harald Ringstorff zu beerben, als Backhaus, der lange Zeit als Thronfolger galt. Der ist zwar populär, aber oft auch allzu populistisch. Wer als Landwirtschaftsminister an Treckerrennen und Reitturnieren teilnimmt, sollte nicht vom Pferd fallen. Das bundesweit als mangelhaft empfundene Management der Vogelgrippekrise auf Rügen im Winter 2006 brachte Backhaus den entscheidenden Karriereknick. Er scheiterte mehr an eigenen Fehlern als am großen Schatten Ringstorffs.

Der 67-Jährige dominiert den SPD-Landesverband seit 1990, seit neun Jahren regiert er in Schwerin. Obwohl er im Wahlkampf im vergangenen Jahr beteuerte, auch seine dritte Amtszeit bis zum Ende durchstehen zu wollen, gilt es in Schwerin sogar als möglich, dass er Anfang nächsten Jahres, wenn der G-8-Gipfel in Heiligendamm überstanden und der erste gemeinsame Haushalt der vor sechs Monaten geschlossenen großen Koalition verabschiedet ist, seinen Hut nimmt. Sellering stammt aus dem Ruhrpott und kam 1994 nach Greifswald. Von 2000 bis 2006 war er Justizminister. Nun will er gegenüber der CDU das „soziale Profil“ der SPD schärfen.

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