Politik : Serben ärgern sich über Merkel Wütende Reaktionen auf Forderungen zum Kosovo

Belgrad - Nach dem Kosovobesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kochen in Serbien die Emotionen hoch. Die deutschen Forderungen zur Lösung der Kosovokrise haben viele Serben verärgert. Der serbische Regierungssprecher gab sich am Dienstag zwar gelassen. Die Kanzlerin habe mit ihren Forderungen an die Adresse Belgrads „nichts Neues“ gesagt, erklärte er im Staatsfernsehen (RTS). Doch das war nur die halbe Wahrheit. Kommentatoren hielten der Regierung vor, in der Kosovofrage auf ganzer Linie gescheitert zu sein. Tausende Bürger hingegen machten in Mails an die Medien ihrem Unmut über die deutsche Haltung Luft.

Die serbischen Institutionen in Nordkosovo, die von Serbien mit mehreren hundert Millionen Euro aufrechterhalten werden, müssten verschwinden, hatte Merkel in Pristina erklärt. Sonst sei an eine Annäherung Serbiens an die EU nicht zu denken. „Die Kosovopolitik der aktuellen Regierung hat ihre Niederlage erlebt“, diagnostizierte der Politologe Dragan Popovic in der Zeitung „Danas“. Das Ende der Fahnenstange sei „nach 30 Jahren Populismus und Demagogie“ erreicht. Regierungskritiker verlangten, jetzt müsse der Bevölkerung endlich offen gesagt werden, dass das Kosovo für Serbien schon seit vielen Jahren verloren sei.

Der Karikaturist Corax hatte schon in den vergangenen Wochen die Lage mit spitzer Feder gezeichnet. Mal sind alle Spitzenpolitiker angetreten, um sich von Merkel mit EU-Sternen füttern zu lassen, mal hält die Kanzlerin dem serbischen Präsidenten Boris Tadic einen brennenden Europa-Sternreifen hin.

Auch in Leserbriefen wurde deutlich, dass das Kosovo noch immer nationalistische Reaktionen auslöst. „Angela, Ihr verlangt von Serbien die Kapitulation“, „Liebe Frau Merkel, dann wird es eben nix mit der EU. Danke und auf Wiedersehen“ oder „Sie soll doch aufhören, ihre Nase in fremde Angelegenheiten zu stecken“, hieß es in Kommentaren an den TV-Sender B92, denen Hunderte zustimmten. „Traurig, dass die Kanzlerin eines Landes, das im Ersten und Zweiten Weltkrieg eine Niederlage erlitten hat, jetzt den Siegern dieser Kriege Lektionen erteilt“, heißt es in einem Kommentar an die Zeitung „Blic“, dem 170 andere Leser zustimmen. Und mehr als 600 Leser finden diesen Kommentar richtig: „Nur ein Naivling kann glauben, dass ein Deutscher ein Freund sein kann. Durch die ganze Geschichte ist er ein blutiger Feind geblieben.“ dpa

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