Politik : Serben drohen EU-Gespräche abzubrechen Kfor-Soldaten kontrollieren die Grenze

Pristina - Nach Tagen der Gewalt im Kosovo hat Serbien seine Gangart in dem Konflikt verschärft. Belgrad drohte am Freitag mit dem Abbruch des von der EU vermittelten Dialogs zwischen beiden Staaten, sollten zwei umstrittene Grenzübergänge nicht wieder von serbischen Beamten kontrolliert werden. „Wenn die Situation an den Grenzübergängen nicht auf den vorherigen Stand zurückgeführt wird, wird es keinen Dialog mehr geben“, sagte der serbische Verhandlungsführer Borislav Stefanovic der Belgrader Zeitung „Blic“. Um den Druck zu erhöhen, würden alle wichtigen Zufahrtsstraßen der Grenzübergänge im Norden des Kosovo blockiert, kündigten serbische Politiker der Minderheit im Kosovo an.

Der Norden Kosovos wird überwiegend von Serben bewohnt. Diese haben in der Nacht zu Freitag Barrikaden errichtet. Hunderte Serben stoppten einen deutschen Kfor-Konvoi mit 15 gepanzerten Fahrzeugen. Serbische Unterhändler forderten von der Nato-geführten Schutztruppe Kfor, wieder Beamte der serbischen Minderheit an den beiden umstrittenen Grenzübergängen zuzulassen. Dagegen hatte Kfor- Kommandeur Erhard Bühler angekündigt, dort Zöllner und Grenzpolizisten der Zentralregierung des Kosovo zu unterstützen. Die Kfor drohte zudem an, Blockaden gewaltsam zu durchbrechen.

Der UN-Sicherheitsrat hatte sich am Vorabend hinter verschlossenen Türen über die Situation im Kosovo informiert. Dem eigens angereisten serbischen Außenminister Vuk Jeremic war der Zutritt verwehrt worden. Die Lage sei ruhig, aber labil, hatte es nach der Sitzung geheißen. Der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig im Sicherheitsrat hatte beide Seiten kritisiert. So sei das serbische De-facto-Embargo gegen den Kosovo nicht hinnehmbar gewesen, sagte Wittig, der in diesem Monat als deutscher Vertreter das Gremium führt. Zudem sei die serbische Unterbrechung des Dialogs mit Pristina ein Fehler gewesen. Allerdings habe Wittig die Entscheidung der kosovarischen Seite zur Entsendung von Sonderpolizisten an die Grenzübergänge ebenfalls deutlich kritisiert, berichteten Teilnehmer. Wichtig sei jetzt aus deutscher Sicht, dass beide Seiten zur Beruhigung der Lage beitragen und zügig zum Dialog zurückfinden

Vor zehn Tagen hatte Belgrad Verhandlungen über die Grenzposten abgebrochen. Daraufhin hatten kosovarische Spezialeinheiten den Grenzposten besetzt. Bisher waren an den Grenzübergängen kosovarische Serben stationiert, die aber den Warenfluss nicht kontrollierten. Die Überwachung der Grenze und damit verbundene Zollkontrollen käme aus serbischer Sicht einer Anerkennung des Kosovo gleich. Die EU hat ein Interesse an den Kontrollen, um die organisierte Kriminalität einzudämmen. dpa

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