Politik : Serbischer Präsident warnt vor Unabhängigkeit des Kosovo

Sven Lemkemeyer

Berlin - Der Präsident der Republik Serbien, Boris Tadic, hat erneut klar gemacht, dass sein Land eine Autonomie des Kosovo nicht akzeptieren wird. Nach einem Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und CDU-Chefin Angela Merkel in Berlin sagte Tadic am Mittwoch, einseitige Lösungen dürfe es nicht geben: „Es kann nicht sein, dass die Serben das Kosovo verlassen.“ Eine Unabhängigkeit würde eine direkte „ethnische Säuberung“ bedeuten und die Stabilität ganz Südosteuropas gefährden. Sowohl Schröder als auch Merkel hätten Verständnis für Belgrads Position signalisiert, sagte Tadic.

Das Kosovo gehört formal zu Serbien, wird aber seit 1999 von den Vereinten Nationen (UN) verwaltet. Heute leben dort 1,8 Millionen Albaner, die die Unabhängigkeit fordern, und 150 000 Serben. Die UN fürchten massive albanische Aufstände, würde das Kosovo wieder Belgrad zugesprochen. Würde die Provinz aber autonom, erwarten Balkanexperten eine albanische Bewegung für den Zusammenschluss aller Albaner – mit unkalkulierbaren Folgen für Mazedonien, Montenegro, Albanien und Südserbien.

Zu den für Mitte 2005 geplanten Verhandlungen zur Klärung der Statusfrage sagte Tadic lediglich: „Wir müssen Lösungen für ein Miteinander oder ein Nebeneinander finden.“ Für den Wahlboykott der Serben bei den Parlamentswahlen am vergangenen Samstag machte er die blutigen Übergriffe von Albanern auf die serbische Minderheit im März verantwortlich. Im Gegensatz zu Regierungschef Vojislav Kostunica, der zum Wahlboykott aufrief, hatte Tadic seine Landsleute zur Wahl ermuntert.

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