Sex-Skandal in Israel : "Ins Gesicht gespuckt"

Israelische Frauenrechtsorganisationen laufen gegen den Deal des noch amtierenden Präsidenten Mosche Katzav Sturm: Es sei "eine ganz klare Botschaft an die Frauen, sich nicht zu beschweren". Der 61-Jährige hatte zugegeben Frauen sexuell belästigt zu haben, dafür wurden die Anklagen wegen Vergewaltigung und Korruption fallen gelassen.

Sara Lemel[dpa]
Moshe Katsav
Mosche Katzav: Israelische Frauenrechtsorganisationen laufen gegen den Deal des noch amtierenden Präsidenten Mosche Katzav Sturm:...Foto: ddp

Tel AvivNach einem Jahr schwerster Vorwürfe gegen den scheidenden israelischen Präsidenten Mosche Katzav (61) wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung und Korruption blieb zuletzt nur eine erheblich abgeschwächte Anklageschrift übrig. In einer Übereinkunft mit der Staatsanwaltschaft gab Katzav schriftlich zu, er habe zwei Frauen sexuell belästigt und vereinbarte eine Entschädigungszahlung. Außerdem willigte er ein, in aller Form zurückzutreten. "Küsschen, Küsschen, Umarmung, Umarmung", fasste Staranwalt Zion Amir das Geständnis des Präsidenten verniedlichend zusammen. Frauenorganisationen und Rechtsexperten reagierten entsetzt auf die Vereinbarung, der zufolge Katzav nur eine Bewährungsstrafe erhalten soll.

Die Vorsitzende der israelischen Frauenrechtsorganisation Naamat, Talia Liwni, sagte, mit der umstrittenen Übereinkunft werde den Frauen in Israel "ins Gesicht gespuckt". Es sei "eine ganz klare Botschaft an die Frauen, sich nicht zu beschweren". Die links-liberale Abgeordnete Sahawa Galon warf dem Generalstaatsanwalt Menachem Masus, der die Vereinbarung bekannt gegeben hatte, "moralische Feigheit" vor. Eine Bürgerrechtsorganisation forderte sogar seinen Rücktritt.

"Ich bin müde und meine Familie ist am Boden zerstört"

Masus wies die Kritik, der Berg habe gekreist und eine Maus geboren, jedoch kategorisch zurück. "Wenn der Präsident gesteht, ist das keine Kleinigkeit. Vom Bürger Nummer eins ist er zu einem Verurteilten geworden, der ein privates und öffentliches Kainsmal tragen muss." Der Vertreter der Anklage verwies darauf, dass die gesetzliche Höchststrafe für die kriminellen Vergehen, die Katzav gestanden hat, sich auf sieben Jahre belaufe. Katzav hatte sein Amt wegen der Vorwürfe seit Januar ruhen lassen. Seine Nachfolge tritt am 15. Juli der Friedensnobelpreisträger Schimon Peres an.

Katzav hatte immer wieder seine völlige Unschuld betont und noch zu Jahresbeginn in einer flammenden Rede von einer Lügenkampagne und Hexenjagd mit ethnischem Hintergrund - er entstammt einer Einwandererfamilie aus dem Iran - gesprochen. Er habe der Vereinbarung nur zugestimmt, um sich und seiner Familie weiteres Leid zu ersparen. "Ich bin müde und meine Familie ist am Boden zerstört. Ich habe nur gestanden, aus Sympathie geküsst und umarmt zu haben."

Gerechtigkeitsgefühl hat schweren Schaden genommen

Die Vorwürfe der ersten Beschwerdeführerin, einer ehemaligen Mitarbeiterin in der Präsidentenresidenz, wurden ganz aus der Anklageschrift gestrichen. Sie reichte vor dem Obersten Gericht in Jerusalem eine Klage gegen die Übereinkunft ein, die ihre Anwältin als "niederträchtig" bezeichnete. Man werde den Deal mit Katzav mit allen rechtlichen Mitteln anfechten.

Insgesamt hatten zehn Frauen gegen Katzav Beschwerde geführt. Masus erklärte jedoch, es habe große Probleme bei der Beweisführung sowie Fälle von Verjährung gegeben. Der Rechtsexperte Mosche Negbi kritisierte die Vereinbarung, die nicht nur Frauen von künftigen Beschwerden abschrecke, sondern insgesamt dem "Gerechtigkeitsgefühl schweren Schaden" zufüge. "Der Glaube der Öffentlichkeit in das Rechtssystem ist schwer erschüttert."

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