Politik : Sex und Geld und Politik

Blunketts Rücktritt bringt Blair in Bedrängnis

Matthias Thibaut[London]

Mit dem Rücktritt seines Arbeitsministers David Blunkett hat der britische Premier Tony Blair einen seiner getreuesten Mitkämpfer verloren. Sein letzter Freund im Kabinett sei nun auch gegangen, spottete Oppositionsführer Michael Howard im Unterhaus über Blair – „und seine Autorität“. Konservative Politiker werteten Blunketts Rücktritt als „Anfang vom Ende“ der Regierung Blair. Die mangelnde Unterstützung, die Blunkett in der Krise der letzten Tage gehabt habe, zeige, dass es einsam um Blair werde und sich die politischen Kräfte mehr und mehr um Schatzkanzler Gordon Brown scharten, argumentierte Howard.

Es war Blunketts zweiter Rücktritt in weniger als einem Jahr, nachdem sich der blinde Minister zur Freude des britischen Boulevards tief in ein Geflecht aus Sex, Geld und Politik verstrickte. Im Dezember 2004 war Blunkett wegen seiner Affäre mit einer verheirateten Frau und seiner öffentlichen Klage auf Anerkennung als Vater ihres Kindes zurückgetreten. Nach diesem Rücktritt übernahm er Beraterposten in der Industrie, aber ohne das mit dem zuständigen Ethikkomitee abzusprechen und ohne die nötige, drei Monate lange „Quarantäne“ einzuhalten. Das kostete ihn nun das Amt. Blunkett hatte es eilig mit dem Geldverdienen: Er musste die Sorgerechtsklage gegen die Ex-Geliebte finanzieren. Ironisch, dass Blunkett Anteile und eine Beraterrolle an der DNA-Analysefirma übernahm, die er im Vaterschaftsprozess bemüht hatte. Blunkett sagte am Mittwoch: „Ich bin zurückgetreten, um der Regierung weitere Ablenkungen von ihrer Arbeit zu ersparen“. Tony Blair sagte: „Er geht ohne einen Fleck auf seiner Weste“.

Blair selbst wurde in die Krise mit hineingezogen, als Lord Nolan in die Debatte eingriff, der 1995 die „Regeln über die Standards in öffentlichen Positionen“ nach der Serie von Filz und Affären in der konservativen Regierung aufgesetzt hatte. „Blair hätte Blunkett disziplinieren oder entlassen müssen, um die Integrität der Regeln zu gewährleisten“, sagte Nolan in einem Interview – schärfer hätte er Blair kaum kritisieren können. Denn der Premier ist der Mann, der letztlich für die Durchsetzung der Ethikregeln verantwortlich ist. Als Blair im Unterhaus sagte, „Blunkett hat gegen die Regeln verstoßen, aber er hat nichts Unehrenhaftes getan“, quittierte das Parlament das mit Gelächter. Als neuen Arbeitsminister präsentierte Downing Street noch am Mittwochnachmittag den 50-jährigen John Hutton.

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