Sexualstrafrecht : "Die jetzigen Paragrafen reichen aus"

Jugendrichterin Kirsten Heisig über das Vorhaben der Bundesregierung, das Sexualstrafrecht zu verschärfen.

Das Vorhaben der Bundesregierung, das Sexualstrafrecht zu verschärfen, stößt auf Kritik. Was spricht aus Sicht einer Jugendrichterin dagegen?

Das neue Sexualstrafrecht wird uns bei Gericht vor erhebliche Probleme stellen. Zunächst muss penibel untersucht werden, ob eine sexuelle Beziehung unter nahezu Gleichaltrigen im gegenseitigen Einverständnis zustande gekommen ist oder nicht. Denn meist kommt es erst im Nachhinein zur Anzeige, wenn die Beziehung gescheitert ist. Da ist es schwer, herauszufinden, wie glaubwürdig Opfer und Täter sind. Umso schwieriger wird es, weil in der Verhandlung häufig die Eltern der Beteiligten anwesend sind. Es besteht die Gefahr, dass die Eltern dem Ex-Freund ihrer Tochter künftig mit der Polizei drohen.

Reichen die bisherigen Gesetze aus?

Schon bisher ist es verboten, wenn ein 14-jähriger Junge mit seiner 13jährigen Freundin Sex hatte, auch wenn beide es wollten. So etwas wird aber selten angezeigt. Aus meiner Sicht reichen die jetzigen Paragrafen aus, zumal im Jugendstrafrecht pädagogisch sinnvoll reagiert werden soll.

Wie erklären Sie sich den Vorstoß des Bundesjustizministeriums?

Ich war vollkommen überrascht, als ich von diesen Vorschlägen erfuhr. Ich vermute, die Gesetzesänderung hängt mit der allgemeinen Grundstimmung zusammen, Sexualdelikte besonders streng zu handhaben.

Kirsten Heisig (46) ist seit 15 Jahren Jugendrichterin in Berlin, zuvor arbeitete sie zwei Jahre als Staatsanwältin. Mit ihr sprach

Hannes Heine.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben