Sexueller Missbrauch : Bischof Mixa gibt sexualisierter Gesellschaft Mitschuld

Mehr als hundert Opfer von sexuellen Übergriffen an katholischen Schulen haben sich inzwischen gemeldet. Der Augsburger Bischof Mixa verurteilt zwar die Taten der beschuldigten Geistlichen - sieht die Wurzel des Übels aber ganz woanders.

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Bischof Walter Mixa -Foto: dpa

Augsburg Der sexuelle Kindesmissbrauch an katholischen Einrichtungen ist nach Überzeugung des Augsburger Bischofs Walter Mixa auch eine Folge der zunehmenden Sexualisierung der Öffentlichkeit. "Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig", sagte Mixa der "Augsburger Allgemeinen".

Er nannte die Übergriffe von Geistlichen auf Jugendliche ein "besonders abscheuliches Verbrechen". Als Seelsorger mache es ihn "zutiefst betroffen", wie selbst Priester in "entsetzlicher Weise schuldig werden können", sagte Mixa.

Die Ideen von der sexuellen Befreiung der Gesellschaft stammen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und waren auch Teil der 68er-Bewegung. Dabei spielte nicht zuletzt die Entwicklung der von der katholischen Kirche kritisierten Anti-Baby-Pille eine Rolle.

Inzwischen über 100 mutmaßliche Opfer

Im Missbrauchsskandal an Jesuiten-Kollegs und anderen katholischen Schulen in Deutschland ist die Zahl der mutmaßlichen Opfer inzwischen auf über 100 Fälle gestiegen. So viele hätten sich am Berliner Canisius-Kolleg oder bei ihr gemeldet, sagte die vom Jesuiten-Orden mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragte Rechtsanwältin Ursula Raue am Montag.

Die meisten betroffenen Schüler kämen von den drei Jesuiten-Kollegs - neben Berlin das Kolleg St. Blasien im Schwarzwald und das Bonner Aloisiuskolleg. Raue will noch in dieser Woche einen Zwischenbericht zu dem Missbrauchsskandal vorlegen. Erste Missbrauchsfälle aus den 70er und 80er Jahren waren am 28. Januar in Berlin öffentlich geworden.

Zölibat ist für Mixa nicht die Ursache

Bischof Mixa räumte ein, dass in der Kirche Verantwortliche in der Vergangenheit gegenüber Sexualdelikten an Kindern und Jugendlichen "zu blauäugig" waren. "Da sind kirchliche Verantwortungsträger möglicherweise auch einem Zeitgeist aufgesessen, der selbst im Bereich des staatlichen Strafrechts Resozialisierung statt Strafe propagierte", so der Bischof. "In der Vergangenheit hat oft der gut gemeinte Versuch, die Opfer vor einer voyeuristischen Berichterstattung zu schützen, in Wahrheit die Opfer zusätzlich gequält und die Täter geschützt."

Einen Zusammenhang von priesterlicher Ehelosigkeit und den sexuellen Übergriffen erkennt Mixa indes nicht. Darauf hätten auch unabhängige Experten hingewiesen. "Der ganz überwiegende Teil entsprechender Sexualstraftaten wird von verheirateten Männern, oft im verwandtschaftlichen Umfeld der Opfer, begangen", sagte Mixa. Ehelos lebende Priester sind nach Auffassung des Bischofs in der Regel sexuell völlig normal orientiert, verzichteten aber freiwillig auf  Ehe und Sexualität.

Mixa hat mit seinen Äußerungen schon mehrfach für öffentliche Debatten gesorgt. So warf er der ehemaligen Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor, sie degradiere Frauen zu "Gebärmaschinen". Damit reagierte er auf eine Initiative der Ministerin für mehr Kindertagesstätten, durch die er die traditionelle Rolle der Frau in der Familie gefährdet sah. (sf/dpa)

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