Politik : Showdown um einen Jungen (Gastkommentar)

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High Noon in Florida. Die Farce könnte mit einem hollywoodreifen Showdown enden. In der Mitte: Elian Gonzalez (6), kubanischer Staatsbürger mit amerikanischen Verwandten. Jene bilden den inneren Schutzring um ihn. Von Süden taucht auf die Phalanx der von Castro Entsandten: Der Vater, die Kindergärtnerin und die Lehrerin, die zwölf besten Schulfreunde, Rechts- und Seelen-Experten und, so muss vermutet werden, etliche staatliche Aufpasser, die verhindern, dass sich die Heimholer im Kapitalismus niederlassen. Miamis radikale Exilkubaner werden die Gäste aus der alten Heimat alles andere als freundlich begrüßen. Skandalös ist, dass der Bürgermeister vorab beschieden hat, er werde seine Sicherheitskräfte zum Zuschauen verdammen. Er hat die Exilkubaner damit ermuntert, mit Menschenketten zu verhindern, dass Polizisten Elian abholen, wenn, wie zu erwarten, der seinen letzten Einspruch gegen die Nichtgewährung von Asyl verliert. Justizministerin Reno muss die Buhfrau spielen, weil Washington diese Eskalation peinlich ist. Denn Gore und Bush wollen im November in Florida siegen. So schwafeln beide - aus Angst vor Floridas mächtigster Lobby. Es ist ein Trauerspiel, das bald zur Straßenschlacht werden kann.

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