Politik : Sicherheitsbehörden warnen vor Terroranschlägen Unklarheit über Pläne des

in Schweden verhafteten Mannes

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Berlin/Stockholm. Kurz vor dem Jahrestag der Anschläge vom 11. September haben Politiker und Behörden vor der Terrorgefahr durch Islamisten gewarnt. Unklarheit bestand am Wochenende weiter über mögliche Attentatspläne eines Mannes, der am Donnerstag auf dem Flughafen der schwedischen Stadt Vesterås festgenommen worden war. Bei dem 29-jährigen, aus Tunesien stammenden schwedischen Staatsbürger, der nach London fliegen wollte, war eine Waffe im Handgepäck entdeckt worden.

Nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden sind besonders amerikanische und israelische Einrichtungen mögliche Ziele von Attentätern. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) sagten, das Netzwerk der Terrororganisation Al Qaida, das für die Attentate in den USA verantwortlich gemacht wird, funktioniere weiter. Die „Welt am Sonntag“ berichtet, das Bundeskriminalamt habe die Polizeidienststellen zu erhöhter Wachsamkeit aufgefordert. Die Post habe ihre Mitarbeiter vor Briefen und Päckchen mit Milzbranderregern gewarnt. Schily erklärte, die Terrorgefahr bestehe weiter, allerdings habe er „keine gesicherten Erkenntnisse über konkret geplante Anschläge“.

Für Aufsehen sorgte am Wochenende die Meldung der Nachrichtenagentur Reuters, der in Vesterås verhaftete Mann habe die mit 189 Passagieren besetzte Maschine der Fluggesellschaft Ryanair auf dem Weg nach London entführen wollen, um mit dem Flugzeug einen Anschlag auszuführen. Reuters zitierte einen Informanten aus Kreisen des militärischen Geheimdienstes Schwedens mit den Worten: „Wir wissen sicher, dass er plante, das Flugzeug in eine US-Botschaft in Europa stürzen zu lassen.“ Die Polizei suche zudem nach vier weiteren Leuten, darunter einem Sprengstoffexperten, die mit dem Verhafteten den Attentatsplan erarbeitet hätten. In einer offiziellen Stellungnahme wiesen der schwedische Geheimdienst Säpo und die schwedische Regierung diese Angaben als „aus der Luft gegriffen“ zurück.

Bestätigt ist, dass der 29-Jährige in den USA an einer Pilotenausbildung teilgenommen hat, die er allerdings nicht abschloss. Dabei habe er in Florida in der Region gewohnt, in der auch der spätere Selbstmordattentäter Mohammed Atta seine Basis hatte, berichtet die Boulevardzeitung „Aftonbladet“. Unklarheit herrscht über die Flugfähigkeiten des Mannes, der sich nach Informationen der Zeitung „Expressen“ in den vergangenen Jahren zu einem streng gläubigen Moslem entwickelt habe. Nach Angaben schwedischer Medien ist er der Justiz seit Anfang der 90er Jahre als Kleinkrimineller bekannt. Der Pflichtverteidiger des Verhafteten sagte, sein Mandant bestreite, etwas mit Anschlägen oder Terrorismus zu tun zu haben, wollte aber nicht sagen, warum der Mann eine Waffe bei sich hatte. Aus Kreisen der schwedischen Polizei verlautete am Sonntag, man halte den Mann für einen „Narren“ und „Trittbrettfahrer“, der keine Verbindungen zu Al Qaida habe. Sven Lemkemeyer

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