Sicherheitskonferenz : 3500 Kriegsgegner demonstrieren in München

Während die Politiker sich auf der Münchener Sicherheitskonferenz die Köpfe heiß reden, geht es auf den Straßen der bayerischen Hauptstadt hoch her: Die Protestler sind unterwegs.

Demjan Panczuk[ddp]
München
Demonstranten in München. -Foto: dpa

München Rund 3500 Demonstranten sind Polizeiangaben zufolge an diesem Samstagnachmittag in der Münchner Innenstadt unterwegs, um ihren Unmut über die Konferenz im Luxushotel Bayerischer Hof lautstark zu verkünden. Auf einer Auftaktkundgebung kritisieren die Kriegsgegner Ziele und Absichten der Sicherheitskonferenz. Die Konferenzteilnehmer werden als "Mörderbande" bezeichnet, Nato und EU als "Kriegstreiber" tituliert. Die Wortwahl ist deftig: "Wir scheißen auf die Nato". Anschließend ziehen die Protestler weiter durch die Innenstadt zu einer Abschlusskundgebung am frühen Abend auf dem Odeonsplatz.

Auch viele, die nicht auf die Straße gehen, solidarisieren sich mit den Demonstranten. Aus zahlreichen Fenstern und Geschäften entlang der Demonstrationsstrecke hängen bunte "Pace"-Fahnen, Anwohner unterstützen die Demonstranten, indem sie aus den Fenstern die Parolen mitskandieren.

Die Einzelhändler sind wenig begeistert

Doch nicht alle sind begeistert. So beschert die Konferenz vor allem den Einzelhändlern alljährlich einen äußerst umsatzschwachen Samstag. Die Münchner Innenstadt gleicht einem Hochsicherheitstrakt, die Kundschaft wird abgeschreckt. "Es sind rund 30 Prozent weniger Kunden", beschwert sich ein Standinhaber am Viktualienmarkt. "Und solange die Demo läuft, kommt auch keiner zu uns durch, weil alles zu ist."

Zahlreiche Zeitungskioske in der Innenstadt haben erst gar nicht geöffnet. Obwohl im Demonstrationszug um den Schwarzen Block die Stimmung aufgeheizt ist, läuft die Protestaktion bis zum frühen Abend - außer einigen Rangeleien - friedlich ab. Lediglich zwei Festnahmen wegen Beleidigung gibt es laut einer Polizeisprecherin zu beanstanden. Die Maßnahmen zur Abschreckung von Krawallmachern, wie der Einsatz von 3700 Sicherheitskräften oder die Aufstellung von Wasserwerfern, zeigen Wirkung.

Weniger Krawalle und mehr Kreativität scheint bei den meisten Demonstranten das Gebot der Stunde zu sein. Auch in diesem Jahr gibt es eine Vielzahl fantasievoller Protestbeiträge, beispielsweise eine Rakete mit der Aufschrift "Nato-Abwrackprämie" oder eine Gruppe Clowns, die mit Konfetti "bewaffnet" den 60. Geburtstag der Nato ironisch zelebrieren.

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