Sicherheitskräfte : Iraker erstmals alleine für eine Provinz zuständig

Im Irak sind erstmals einheimische Sicherheitskräfte allein für die Sicherheit in einer Provinz zuständig. Die US-geführte multinationale Koalition übergab die Verantwortung für die relativ ruhige Provinz Muthanna an die irakischen Sicherheitsbehörden.

Samawa/Bagdad - "Weitere südliche Provinzen sind auf dem Weg, Fortschritte zu machen", sagte der britische General John Cooper und deutete an, dass diese Provinzen bald folgen könnten. Währenddessen diskutierte das irakische Parlament hinter geschlossenen Türen über die Sicherheitslage im Land. Bei mehreren Bombenanschlägen starben bis zum Mittag mindestens 16 Menschen.

Der irakische Ministerpräsident Nuri al Maliki, der in Samawa an der Zeremonie zur Übergabe der Provinz Muthanna teilnahm, sprach von einem historischen Ereignis: "Das ist ein ruhmreicher Tag für die Provinz". Die örtlichen Behörden und die Bevölkerung forderte er zur Unterstützung auf, damit "Terroristen" das Projekt nicht scheitern ließen. Der Gouverneur der Provinz, Mohammed Ali al Hassani, fügte hinzu, der Schritt zeige, "dass die Besatzung auf ihr Ende zugeht." Die ausländischen Soldaten, die bislang für die Sicherheit in der Provinz zuständig waren, insbesondere ein japanisches Kontingent von rund 600 Mann, sollen in nächster Zeit vollständig abziehen.

Bei einer Anhörung des irakischen Parlaments, die hinter verschlossenen Türen fortgesetzt werden sollte, sprach der irakische Verteidigungsminister Abdel Kader Mohammed Jassem von einer "Verschlechterung" der Sicherheitslage" in der Hauptstadt Bagdad. Jassem wies die Schuld an der Gewaltwelle in der Hauptstadt, bei der in den vergangenen Tagen rund 100 Menschen gestorben waren, sunnitischen und schiitischen Extremisten zu. Am Morgen starben nach Angaben von Sicherheitskräften bei einem Bombenanschlag im Südosten der Stadt fünf kommunale Angestellte. Bei anderen Zwischenfällen im gesamten Land kamen bis zum Nachmittag weitere elf Iraker ums Leben. Unter ihnen waren nach Polizeiangaben auch ein Lokalpolitiker der Region Baakuba und einer seiner Söhne, die bei der Explosion einer Fahrradbombe ums Leben kamen.

Saddam im Hungerstreik

Währenddessen teilte die US-Armee mit, dass der frühere irakische Machthaber Saddam Hussein zusammen mit seinen sieben Mitangeklagten am vergangenen Samstag erneut in Hungerstreik getreten sei. "Saddam Hussein trinkt gesüßten Kaffee und Wasser, das mit Nährstoffen versehen ist", sagte ein Militärsprecher. Der ehemalige irakische Präsident, der trotz des Hungerstreiks bei guter Gesundheit sei und unter medizinischer Beobachtung stehe, protestiere damit offenbar gegen die Art der Anhörungen im Bagdader Tribunal. Der Prozess gegen ihn und sieben Mitangeklagte war am Dienstag vertagt worden und soll am 24. Juli fortgesetzt werden. (tso/AFP)

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