Sicherheitspolitik : Zusatz-Rekruten kosten Bundeswehr Millionen

Der Bundeswehr fehlen in diesem Jahr bis zu 100 Millionen Euro zur Modernisierung. Der Grund: Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) reduziert die Zahl der Wehrpflichtigen aus Gründen der Wehrgerechtigkeit langsamer als vorgesehen.

Düsseldorf „Es gibt für diese Praxis weder sicherheitspolitische Erfordernisse, noch kommen wir einer gerechteren Einberufungspraxis wirklich näher“, kritisierte der SPD-Verteidigungsexperte Andreas Weigel im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ das Vorgehen. Das Vorgehen binde Personal, Verwaltungskapazitäten und Finanzen, die an anderer Stelle in der Bundeswehr dringend benötigt würden.

Wegen der durchschnittlichen Jahrgangsgröße von 430 000 Männern in den kommenden Jahren ist davon auszugehen, dass alljährlich mehr als 125 000 von ihnen für den Grundwehrdienst zur Verfügung stehen. Allerdings können jeweils nur etwa 60 000 eingezogen werden, weil die Bundeswehr bis 2010 um weitere 10 000 Mann auf rund 250 000 Soldaten schrumpfen soll. Bereits in den vergangenen zwei Jahren waren aber jeweils rund 5000 junge Männer mehr einberufen worden, als im Personaltableau zur langfristigen Reduzierung der Truppe veranschlagt ist. Diese Praxis hatte Verteidigungsminister Jung dann auch für dieses Jahr aufgelegt.

Wegen der zusätzlichen Einberufung von Wehrpflichtigen entstehen erhebliche Strukturkosten. Schätzungen darüber variieren. SPD-Experte Weigel geht von mindestens 60 Millionen Euro aus. In Bundeswehrkreisen werden bis zu 100 Millionen Euro genannt. 5000 Wehrpflichtige benötigen rund 2000 betreuende Zeit- und Berufssoldaten. Zusätzliche Kasernenbetten müssen ebenso vorgehalten werden wie zusätzliche Waffen und Uniformen. „Auch bei Militärs hat das Vorgehen des Ministers für Stirnrunzeln gesorgt“, sagte Weigel.

Der Wehrbeauftragte der Bundesregierung, Reinhold Robbe (SPD), hatte in seinem jüngsten Wehrbericht ebenfalls festgestellt, dass die Aufstockung „nicht ohne Probleme“ verläuft. Die erhöhte Zahl von Grundwehrdienstleistenden schränke die politisch gewollte schnelle Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen bei Unterkünften ein, hieß es in dem Bericht HB

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