Sicherheitswarnung : London hält Terroranschlag für wahrscheinlich

Vor den internationalen Londoner Konferenzen zum Jemen und zu Afghanistan hat die britische Regierung die Warnstufe für die Terrorgefahr am Wochenende auf „ernsthaft“ erhöht. Ein Terroranschlag werde als „sehr wahrscheinlich“ angenommen, teilte Innenminister Alan Johnson unter Berufung auf Geheimdienstinformationen mit.

London  Ein Teil des Flughafens von Manchester wurde am Samstag vorübergehend gesperrt - ein Fehlalarm.

Am Mittwoch ist in London eine internationale Jemen-Konferenz geplant, auf der es um einen koordinierten Einsatz gegen das Terrornetzwerk El Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) gehen soll. Am Tag darauf wird ebenfalls in London eine hochrangig besetzte Konferenz zu Afghanistan abgehalten, an der unter anderem der afghanische Präsident Hamid Karsai und US-Außenministerin Hillary Clinton teilnehmen.

Die Heraufsetzung der Alarmstufe auf den zweithöchsten Wert der fünfstufigen Skala erfolgte vier Wochen nach dem versuchten Anschlag auf eine US-Passagiermaschine von Amsterdam Richtung Detroit. Allerdings stellte Innenminister Johnson keine Verknüpfung zu dem Vorfall her. Er bezog sich allgemein auf Informationen aus dem britischen Inlands-Geheimdienst MI5, nach denen eine erhöhte Gefahrenlage gegeben sei. Ein Terror-Angriff sei „sehr wahrscheinlich“, nach den gegebenen Informationen aber nicht „unmittelbar bevorstehend“.

Die Gefahrenlage werde nun ähnlich eingeschätzt wie von den US-Behörden, erläuterte ein Mitarbeiter des britischen Innenministeriums. Der 23-jährige Nigerianer, der wegen des Anschlagsversuchs vom ersten Weihnachtstag in den USA festgenommen wurde, hatte in London studiert, bevor er offenbar im Jemen für den Anschlag trainiert wurde. El Kaida übernahm die Verantwortung für die Tat des Nigerianers, der versucht hatte, einen Sprengsatz zu zünden, aber im Flugzeug überwältigt worden war.

Außenminister David Miliband sagte am Sonntag in der BBC, der Anschlagsversuch von Detroit markiere eine „neue Phase“ im Terror des Netzwerks El Kaida. Zwar befinde sich das „Herz“ der El-Kaida-Führung weiterhin im Grenzbereich von Pakistan und Afghanistan, zugleich verdiene aber auch die Entwicklung im Jemen ein gesondertes Augenmerk, fügte Miliband hinzu. „Deswegen gibt es am Mittwoch ein wichtiges Treffen zum Jemen.“

Die jetzige Terror-Warnstufe galt in Großbritannien zuletzt im Juli 2009. Die Heraufsetzung der Warnstufe diene dazu, die Öffentlichkeit zu erhöhter Aufmerksamkeit aufzurufen, nicht jedoch, sie in Schrecken zu versetzen, erläuterte der Anti-Terror-Experte Alex Carlile, ein Berater der Regierung. Es werde für die meisten nicht auf Anhieb spürbar sein, dass die Warnstufe heraufgesetzt wurde, sagte der frühere Regierungsberater Mike Granatt. Allerdings müsse an Flughäfen damit gerechnet werden, dass „plötzlich jeder aufmerksamer durchsucht wird“. Am Mittwoch hatte Premierminister Gordon Brown bereits alle Direktflüge aus dem Jemen nach Großbritannien ausgesetzt.

Ein Teil des Flughafens in Manchester wurde vorübergehend gesperrt, nachdem bei einem Reisenden ein verdächtiges weißes Pulver gefunden wurde. Wie die Polizei am Samstagabend mitteilte, erwies sich das Pulver bei einem Test jedoch als harmlos. Der Mann, der auf dem Weg nach London war, hatte das Pulver in seinem Handgepäck. dpa

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