Politik : Sie ist frei

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Außenminister FrankWalter Steinmeier gibt die Freilassung von Susanne Osthoff bekannt Die Archäologin ist in guter Verfassung, ohne auffällige Verletzungen BKA-Beamte befragen sie in der deutschen Botschaft in Bagdad „Ich bin glücklich“, sagt ihr Bruder Robert

Berlin – Die vor drei Wochen im Irak entführte Susanne Osthoff ist seit Sonntagmittag wieder frei. Nach Informationen des Tagesspiegels wurde die Archäologin in der Nähe von Bagdad Angehörigen der deutschen Botschaft übergeben. Osthoff sei in relativ guter Verfassung, hieß es in Sicherheitskreisen. Es gebe keine auffälligen Verletzungen, sie werde jetzt vom Bundeskriminalamt in der deutschen Botschaft in Bagdad befragt. Das Schicksal von Osthoffs irakischem Fahrer Khaled al Schimani, der mit ihr entführt worden war, blieb zunächst unklar. Die Kidnapper hätten angekündigt, auch er werde freigelassen, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Osthoffs Bruder reagierte erleichtert. „Ich bin froh, ich bin glücklich“, sagte Robert Osthoff. „Meine Schwester hat ein starkes Herz. Sie wollte nie politisch aktiv sein (...) sie wollte nur helfen.“ Das Bundeskriminalamt hatte Robert Osthoff am Abend über die Freilassung seiner Schwester informiert. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Nadeem Elyas, zeigte sich „höchst erfreut über das glückliche Ende dieser Geiselnahme“. Elyas, hatte sich den Entführern sogar zum Austausch für Osthoff angeboten.

Um kurz nach 19 Uhr bestätigte der sichtlich bewegte Minister Steinmeier die Freilassung. Osthoff sei in „sicherer Obhut der deutschen Botschaft in Bagdad“, sagte er vor rund zwei Dutzend Journalisten in Berlin. Steinmeier betonte, dass er die Freude der Familie Osthoffs teile. Er dankte im Namen der Bundesregierung allen am glücklichen Ausgang des Geiseldramas beteiligten Stellen, darunter den „Partnern in der Region“ und allen, die in Deutschland Solidarität mit der Archäologin gezeigt hätten. Auf die Frage, wie es zu der Freilassung gekommen sei, ging der Außenminister nicht ein. „Heute nicht“, sagte der leicht angespannte Steinmeier und lehnte weitere Fragen ab.

Offenbar hat die Bundesregierung nicht direkt mit den Kidnappern verhandelt. Es habe seit einer Woche über irakische Mittelsmänner Kontakte zu den Geiselnehmern gegeben, verlautete aus Sicherheitskreisen. Andere Geheimdienste waren offenbar nicht an den Verhandlungen beteiligt. Ob für die Freilassung Lösegeld gezahlt wurde, blieb offen. Unklar ist auch, welche Gruppe zuletzt Susanne Osthoff in der Gewalt hatte. Nach der Entführung hatten „Sturmtruppen der Erdbeben“ der ARD in Bagdad ein Video zukommen lassen, auf dem vermummte Männer mit Waffen sowie Osthoff und ihr Fahrer zu sehen waren. Die beiden waren auf der Fahrt von Bagdad nach Erbil im Nordirak gekidnappt worden.

Die Entführer haben möglicherweise zunächst geglaubt, Osthoff habe eine größere Bedeutung. Als sich herausstellte, dass sie als harmlose Archäologin im Irak tätig war, erschien den Kidnappern die Geisel nicht mehr so wichtig, so dass die Freilassung noch vor Weihnachten zu Stande kam. Die von den „Sturmtruppen“ per Video verkündete Forderung, Deutschland solle jede Hilfe für die irakische Regierung einstellen, spielte zuletzt offenbar keine größere Rolle mehr. Die Bundesregierung hatte deutlich gemacht, dass sie sich darauf nicht einlassen werde.

Offiziell machte die Bundesregierung zu den Umständen von Osthoffs Freilassung keinerlei Angaben. Details könnten möglicherweise nach der Ankunft der Freigekommenen in Deutschland preisgegeben werden, hieß es aus Regierungskreisen. Die rot-grüne Regierung hatte bei früheren Entführungsfällen von Deutschen vor Kameras und Mikrofonen ebenfalls keine Einzelheiten zu den Bemühungen um die Freilassung genannt. Journalisten waren aber – etwa im Fall der in der algerischen Sahara entführten Touristengruppe – mehrfach detailliert über die politischen, organisatorischen und technischen Bemühungen zur Rettung der entführten Deutschen in Hintergrundgesprächen informiert worden.

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