Politik : Sie oder er?

Hamburgs SPD sucht einen Spitzenkandidaten

Dieter Hanisch

Hamburg - Gut ein Jahr vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg wollen die Sozialdemokraten heute die Suche nach einem adäquaten Widersacher für Bürgermeister Ole von Beust (CDU) mit einer Urwahl klären. Die 11 500 Mitglieder sind aufgerufen, für den Landesvorsitzenden Mathias Petersen oder Stellvertreterin Dorothee Stapelfeldt zu stimmen. Bis 18 Uhr stehen 70 Wahllokale in den Parteidistrikten der Stadt offen. Der Ausgang scheint offen.

Der designierte Von-Beust-Herausforderer hieß ursprünglich Mathias Petersen, bis Anfang des Jahres der Landesvorstand mehrheitlich dem 51-jährigen Arzt das Misstrauen aussprach, nachdem sich fünf von sieben Kreisvorständen von ihm abgewandt hatten. Vorgeworfen wurden ihm Alleingänge an den Gremien der Partei vorbei, etwa bei Personalentscheidungen, aber vor allem seine populistische Forderung, Sextäter im Internet an den Pranger zu stellen. Der angeschlagene Landesvorsitzende dachte nicht daran zurückzutreten, daher wurde ihm eine Alternative zur Seite gestellt, die den Namen Dorothee Stapelfeldt (50) trägt. Sie war anfangs noch gegenüber Petersen loyal, erklärte sich dann aber auf Drängen der Kritiker bereit, gegen ihn anzutreten.

Die Genossen träumen davon, wieder die Regierungsverantwortung in Hamburg zu übernehmen, gute Umfrageergebnisse zum Jahreswechsel nährten diese Hoffnungen. Die SPD ist nach der Demontage ihres Vorsitzenden und der als fair titulierten Form einer Kandidatenkür aber weiterhin in zwei Lager gespalten. Wenn man der Partei eines attestieren kann, dann ist es eine lebendige Streitkultur. Dass diese manches Mal unter die Gürtellinie geht, zeichnet dagegen eher das Bild eines zerstrittenen sozialdemokratischen Haufens.

Bei sieben direkten Rede- und Fragenduellen an der Basis punktete mal der sich volksnah gebende Mediziner, der scheinbar alle Betriebsräte der Stadt kennt, so oft berichtet er von solchen Kontakten, mal aber auch verhaspelt er sich in der Frage nach Studiengebühren. Er macht auf Gerhard Schröder, krempelt die Ärmel hoch oder sucht sich mit rotem Schal eine Anleihe bei Franz Müntefering. Sie gibt sich staatstragend, sachlich und kompetent, wirkt eher hanseatisch steif, punktet aber wegen ihres Geschlechts. Sie vergisst nicht zu betonen, dass sie als Bauerstochter aus einfachen Verhältnissen kommt, die – anders als ihr Kontrahent – Politik stets in Absprache mit den Parteigremien betreibe.

Unruhe kurz vor der Urwahl löste eine Überlegung des vom Hamburger SPD- Chef inthronisierten Landesgeschäftsführers Walter Zuckerer aus, der nach einem möglichen Petersen-Sieg diesen in der Bürgerschaft auch gleich zum Fraktionsvorsitzenden machen will. Der jetzige Amtsinhaber Michael Neumann – ein Stapelfeldt-Anhänger – ist aber eigentlich allseits beliebt.

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