Politik : Sie oder er

Heute wählen die Franzosen zwischen Royal und Sarkozy – beide haben auf den Elysée lange hingearbeitet

Albrecht Meier

An diesem Sonntag wird in Frankreich ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Die Stichwahl zwischen dem Konservativen Nicolas Sarkozy und der Sozialistin Ségolène Royal ist das Finale eines langen Wahlkampfs, dessen heiße Phase vor zwei Monaten begann. Das Duell zwischen Sarkozy und Royal hat sich aber über einen längeren Zeitraum abgezeichnet. Royal wurde im vergangenen November von den Sozialisten bei einer parteiinternen Wahl zur Kandidatin gekürt. Bereits zuvor stand fest, dass Sarkozy innerhalb seiner Regierungspartei UMP keinen ernsthaften Rivalen bei der Kandidatur um das Präsidentenamt haben würde. Ein Rückblick auf den langen Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich.

Royals Bewerbung: Im September 2005 erklärt sie in einem Interview mit der Zeitschrift „Paris Match“ zum ersten Mal, sie könne sich eine Präsidentschaftskandidatur vorstellen.

Sarkozys Bewerbung: Im November 2003 wird er bei einer Talkshow des Senders „France 2“ gefragt, ob er morgens beim Rasieren daran denkt, später einmal Präsident zu werden. Sarkozys Antwort: „Nicht nur beim Rasieren.“

Royals Schnitzer: 2006 fordert sie Lehrer in einer internen Diskussion auf, sich auf ihre eigentliche Arbeit im Schulgebäude zu konzentrieren. Im vergangenen November taucht das Video mit Royals Äußerungen über die mutmaßlich faulen Lehrer im Internet auf – ein parteiinterner Versuch, bei den Lehrern, die in der sozialistischen Basis eine wichtige Rolle spielen, vor der Urwahl Stimmung gegen Royal zu machen.

Sarkozys Schnitzer: 2005 sagt er als Innenminister in der Pariser Vorstadt La Courneuve nach einer Bandenschießerei, man solle die Vorstadt mit dem Hochdruckreiniger säubern. Die polemische Formulierung wird ihm später immer wieder vorgehalten.

Royals kämpferischster Moment: Beim TV-Duell gegen Sarkozy erlebt ein Millionenpublikum am vergangenen Mittwoch einen wohlkalkulierten Wutausbruch der Sozialistin. Sarkozy kommt auf das schwere Los behinderter Schulkinder zu sprechen, als es plötzlich aus Royal herausbricht: Das sei der „Gipfel der politischen Unmoral“, herrscht sie ihr Gegenüber an und wirft ihm vor, ein paar Fakten unterschlagen zu haben. Sie hält ihm vor, dass die Konservativen den Schulen und damit auch den behinderten Kindern die Subventionen gestrichen hätten. In der Sache hat Royal nicht recht – denn in den letzten Jahren hat sich die Zahl behinderter Kinder, die an Frankreichs Regelschulen unterrichtet werden, erhöht. Trotzdem vermittelt die ehemalige Schulministerin den glaubwürdigen Eindruck, dass sie politisches Herzblut hat.

Sarkozys kämpferischster Moment: Er findet hinter den Kulissen statt. Sarkozys Aufstieg ist geprägt von der politischen Feindschaft gegenüber Jacques Chirac. Im November 2004 zwingt der Präsident seinen einstigen Ziehsohn und späteren Rivalen Sarkozy, sein Amt als Wirtschaftsminister aufzugeben. Doch Sarkozy lässt sich nicht aufhalten. Im Juni 2005 kehrt er als Innenminister in die Regierung zurück.

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