Politik : Sie reden wieder

Nach zwei Jahren treffen sich die Volksgruppenführer Zyperns erneut zu Gesprächen – Athen und Ankara hoffen auf Fortschritte

Gert Höhler

Athen - Seit mehr als zwei Jahren herrschte politische Funkstille zwischen Zyperngriechen und Zyperntürken auf der geteilten Insel. An diesem Montag treffen die Führer der beiden Volksgruppen erstmals wieder zusammen. Zugleich sondiert ein hoher UN-Diplomat die Chancen für eine Wiederaufnahme der Einigungsverhandlungen. Daran ist vor allem die Türkei interessiert.

Laut Tagesordnung geht es um das Schicksal von etwa 2000 Zyprern, die seit den Kriegswirren von 1974 vermisst werden, wenn heute der griechisch-zyprische Präsident Tassos Papadopoulos und der türkische Volksgruppenführer Mehmet Ali Talat in Nikosia zusammentreffen. Es ist die erste Spitzenbegegnung auf Zypern, seit im März 2004 ein Plan von UN- Generalsekretär Kofi Annan zur Wiedervereinigung der seit 32 Jahren geteilten Insel scheiterte: Die türkischen Zyprer und die Regierung in Ankara stimmten Annans Vorschlag zwar zu, die griechische Volksgruppe lehnte ihn aber per Volksabstimmung ab. Seither gab es keine offiziellen politischen Kontakte mehr. „Unabhängig davon, worüber geredet wird, ist es bedeutsam, dass dieses Treffen überhaupt stattfindet“, meint nun ein EU-Diplomat in Nikosia. Auch Annan eruiert, ob es Aussichten für eine Wiederaufnahme der Volksgruppenverhandlungen gibt. Er schickt seinen Vize Ibrahim Gambari diese Woche zu Sondierungsgesprächen nach Athen, Ankara und Nikosia.

In der türkischen Hauptstadt dürfte Gambari auf großes Interesse an einer raschen Lösung stoßen. Denn der Streit um die Zollunion mit Zypern und die völkerrechtliche Anerkennung der Republik Zypern durch die Türkei gefährdet die begonnenen EU-Beitrittsverhandlungen Ankaras. Bei einer Wiedervereinigung der Insel würden sich die Probleme von selbst lösen. Auch der griechische Premier Kostas Karamanlis und seine Außenministerin Dora Bakojannis wollen der Türkei den Weg in die EU ebnen. Sie hoffen, im Zug des Beitrittsprozesses bilaterale Konflikte lösen zu können, die das griechisch-türkische Verhältnis seit Jahrzehnten belasten.

Auch der türkisch-zyprische Volksgruppenführer Talat gilt als Einigungsbefürworter. Die Inseltürken erhoffen sich von einer Wiedervereinigung das Ende ihrer wirtschaftlichen Isolation und den Anschluss an die EU. Weniger klar sind allerdings Interessenlage und Absichten des griechisch-zyprischen Präsidenten Papadopoulos. Er verwarf 2004 den Annan- Plan. Eigene Vorstellungen zu einer Wiedervereinigung der Insel ist er aber bisher schuldig geblieben.

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