Politik : Sie sind frei

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René Bräunlich und Thomas Nitzschke waren 99 Tage Geiseln im Irak Nach Angaben des Außenministeriums sind beide unversehrt Köhler und Merkel zeigen sich erleichtert und erfreut Leipziger planen für heute einen großen Empfang

Berlin/Leipzig - Nach 99 Tagen in Geiselhaft im Irak sind die beiden deutschen Techniker René Bräunlich und Thomas Nitzschke seit Dienstag wieder frei. Bereits am Wochenende war Bewegung in die Verhandlungen um ihre Freilassung gekommen, den ganzen Dienstag stand der Krisenstab in Berlin unter Hochspannung. Gegen 17 Uhr 30 nach Berliner Ortszeit dann kamen Bräunlich und Nitzschke in der deutschen Botschaft in Bagdad an – unversehrt, wie am Abend Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) versicherte. Ihnen gehe es den Umständen entsprechend gut, sagte Steinmeier nach einem Telefonat mit den beiden Männern. Schon am Mittwoch gegen 14 Uhr sollen der 32-jährige Nitzschke und sein 28 Jahre alter Kollege mit einer Sondermaschine nach Deutschland zurückkehren – Ankunftsort ist Berlin.

Hintergründe über die Umstände der Freilassung wurden zunächst nicht bekannt. Auch Fragen nach Lösegeldzahlungen und der Identität der Entführer blieben zunächst unbeantwortet. Eine Pressekonferenz des Leiters des Krisenstabs im Auswärtigen Amt, Reinhard Silberberg, war am Abend schon nach wenigen Minuten beendet. Er lehnte es ab, Einzelheiten der Freilassung mitzuteilen.

Offenbar wurde jedoch wie schon im Fall der ebenfalls im Irak entführten deutschen Archäologin Susanne Osthoff ein Lösegeld in Millionenhöhe gezahlt. Nach Informationen des Tagesspiegels haben sich Nitzschke und Bräunlich die ganze Zeit über in den Händen ein und derselben Entführer befunden, sie wurden demnach nicht weitergereicht wie zwischendurch vermutet worden war.

Mit großer Freude und Erleichterung reagierten Bundespräsident Horst Köhler, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie Außenminister Steinmeier, der die Freilassung während seiner Südamerikareise in Santiago de Chile mitgeteilt hatte. Köhler sagte: „Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie das Leid, das Sie erfahren haben, rasch überwinden.“ Er freue sich nach Wochen des Bangens „mit allen Menschen in Deutschland“ über den Ausgang der Entführung. Steinmeier sagte, nach mehr als drei Monaten unter menschenunwürdigen Bedingungen befänden sich die Männer „jetzt in sicherer deutscher Obhut im Irak“. Steinmeier bedankte sich bei allen Stellen, die zur Freilassung der beiden Leipziger beigetragen hätten, hauptsächlich beim Krisenstab des Auswärtigen Amtes sowie „bei unseren amerikanischen, europäischen und regionalen Partnern“. In seinen Dank schloss er auch die deutschen Nachrichtendienste sowie die Botschaft in Bagdad ein. Steinmeier forderte gleichzeitig die Freilassung weiterer westlicher Geiseln im Irak. Noch mindestens fünf Bürger westlicher Länder oder Verbündeter werden dort in Geiselhaft vermutet.

Merkel sagte am Abend am Rande einer CDU-Konferenz in Bad Fallingbostel: „Ich bin sehr erleichtert und erfreut, dass die beiden Geiseln frei sind und dass die Familienangehörigen sich freuen können. Ich habe gehört, dass es ihnen den Umständen entsprechend gut geht und dass jetzt alles getan wird, was notwendig ist, um sie auch heil nach Deutschland zu bringen.“

Die beiden Leipziger, waren am 24. Januar auf dem Weg zu einer Fabrik in der Industriestadt Beidschi nördlich von Bagdad mit Waffengewalt entführt worden. In mehreren über den Fernsehsender Al-Dschasira ausgestrahlten Videos forderten die Entführer die Bundesregierung auf, ihre Zusammenarbeit mit der Regierung in Bagdad zu beenden. Andernfalls würden die Geiseln ermordet. Bräunlich und Nitzschke baten die Regierung in einem der Videos, alles für ihre Freilassung zu tun. Das letzte Lebenszeichen der beiden Männer datierte vom 10. April.

Der Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, Christian Führer, sprach nach der Freilassung von einem „ungeheuren Gefühl der Erleichterung und Dankbarkeit“. Als Zeichen der Freude wolle er die Glocken der Kirche in Leipzigs Innenstadt läuten lassen. Riesengroß war auch die Freude beim Arbeitgeber Cryotec im sächsischen Bennewitz. „Ein Fest wird es mit Sicherheit geben“, sagte eine Sprecherin der Firma. Ein großer Empfang in Leipzig ist den beiden Männern sicher. babs/ fan/dpa

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