Politik : Sieben Jahre Haft für Terrorhelfer

Frank Jansen

Hamburg - Das Hamburger Oberlandesgericht hat den Terrorverdächtigen Mounir al Motassadeq in einem zweiten Prozess zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der 4. Strafsenat hielt es für erwiesen, dass der Marokkaner der Hamburger Gruppe um Mohammed Atta angehört hatte, der bei den Anschlägen am 11. September 2001 die Selbstmordpiloten führte. Motassadeq sei der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung schuldig, sagte der Vorsitzende Richter, Ernst-Rainer Schudt. Die Beweise reichten aber nicht aus, um ihn, wie von der Bundesanwaltschaft gefordert, wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 3000 Menschen zu verurteilen, die beim Terrorangriff getötet wurden. Der Haftbefehl gegen Motassadeq, der sich auf freiem Fuß befand, wurde wegen Fluchtgefahr wieder in Kraft gesetzt.

In der mehrstündigen Urteilsbegründung betonte Schudt, die terroristische Vereinigung um Atta habe sich bereits 1999 gebildet. Als Indizien für die Mitgliedschaft Motassadeqs nannte der Richter vor allem die vom Angeklagten mitvollzogene Radikalisierung hin zum heiligen Krieg, Finanztransfers im Auftrag der Gruppe und eine Reise nach Afghanistan. Dort hatte der Marokkaner im Sommer 2000 in einem Al-Qaida-Camp ein Kampftraining absolviert.

Die Verteidiger Motassadeqs kündigten Revision an. Bundesanwalt Walter Hemberger bezeichnete das Urteil als einen „schönen Erfolg“, schloss aber eine Revision nicht aus. Ähnlich reagierten die Anwälte der Nebenkläger aus den USA, die am 11.September 2001 Angehörige verloren hatten. In einem ersten Prozess hatte das Hamburger Gericht 2003 Motassadeq zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil ein Jahr später auf.

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