Politik : Sieg in Brüssel

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HINTER DEN LINDEN

Unser Kanzler setzt sich für Deutschland ein. In Brüssel verteidigt Gerhard Schröder lautstark die Interessen der deutschen Industrie: egal ob es um Subventionen für die deutsche Steinkohle geht, um eine europäische Übernahme-Richtlinie oder um Sonderregelungen für Autokonzerne.

Mit der polternden Kritik hat sich Schröder unter den EU-Kommissaren nicht nur Freunde gemacht. Manchmal muss man eben die diplomatischen Zwischentöne wählen – das hat der Kanzler inzwischen begriffen. Und so kam es Anfang dieser Woche zu einem Abendessen in einem feinen Restaurant in Brüssel. Auf dem Tisch: bretonischer Hummer und Thymian-Lammfleisch. Um den Tisch: Gerhard Schröder, EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sowie die Kommissare, die Schröder am meisten Verdruss bereiten, Wettbewerbshüter Mario Monti und Umweltkommissarin Margot Wallström. Schröder berichtete, was ihn bedrückt: dass nämlich die hoch differenzierte Industriestruktur in Deutschland pfleglich behandelt werden müsse.

Doch Monti wollte das nicht einsehen. Schließlich, so Europas Wettbewerbskommissar, sei man dem Kanzler ja schon in vielen Punkten entgegen gekommen. Schade, dass Agrar-Kommissar Franz Fischler nicht anwesend war. Denn der hätte den Kanzler bestimmt überzeugen können, dass die EU-Kommission der Bundesregierung in den wirklich entscheidenden Fragen entgegen kommt. Fischler hat nämlich beschlossen, dass der deutsche „Bocksbeutel“ künftig europaweiten Schutz genießt. Dieses Zugeständnis aus Brüssel hätte unseren Gourmet-Kanzler doch bestimmt milde gestimmt. Cordula Eubel

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