Politik : Sieg über Bayern

Cordula Eubel

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Fußball und Politik gehören zusammen. Zumindest metaphorisch. Das hat die vergangene Woche ganz klar gezeigt. Gelegentlich drängte sich dem Beobachter der Eindruck auf, es gehe in der Bundespolitik zu wie auf dem Bolzplatz. Egal ob es um die Zuwanderung oder um die Ausbildungsplatzumlage ging. Nur ein paar Zitate zum Beleg: „Das Spiel ist aus.“ (Grünen-Parteichef Bütikofer am Montag zu den Zuwanderungsverhandlungen mit der Union) „Ein neues Spiel wird angepfiffen.“ (Bütikofer am Freitag zum selben Thema). „Der Ball liegt im Feld der Wirtschaft.“ (Bildungsministerin Bulmahn zum angestrebten Ausbildungspakt).

Der Mannschaftsgeist fehlt in der Politik manchmal genauso wie im echten Fußball- Leben. Fouls gibt es jede Menge, und gegrätscht wird regelmäßig. Manchmal steht auch ein Minister im Abseits. Bei so viel Gemeinsamkeiten wundert es einen nicht, wenn Politiker auch den vorzeitig entschiedenen Meistertitel von Werder Bremen kommentieren.

Zu den Gratulanten gehören SPD-Chef Franz Müntefering („eine klasse Mannschaft, eine sportliche Mannschaft, eine sympathische Mannschaft“) ebenso wie Bundeskanzler Gerhard Schröder („ein überzeugend herausgespielter Sieg über den FC Bayern München“). Umweltminister Jürgen Trittin ist als Bremer über den Erfolg seiner Heimatmannschaft sowieso begeistert, nicht nur weil die Jungs grüne Trikots tragen. Aber schwingt nicht – jenseits der ehrlichen Fußballbegeisterung – bei der Berliner Regierungsmannschaft die heimliche Freude mit, dass Bayerns CSU-Ministerpräsident Edmund Stoiber sich in diesem Jahr mal nicht mit dem Sieg der Bayern brüsten kann?

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