• "Sieht so das organisierte Verbrechen aus?" - hohe Polizeioffiziere wegen Bestechung inhaftiert

Politik : "Sieht so das organisierte Verbrechen aus?" - hohe Polizeioffiziere wegen Bestechung inhaftiert

Charles A. Landsmann

Die Affäre um den israelischen Zeitungsverleger Ofer Nimrodi weitet sich aus. Nach der Verurteilung wegen illegalen Abhörens, dem Verdacht der Mordbestellung, folgte jetzt die Verhaftung angeblich bestochener Polizeioffiziere. Nimrodi, Verleger der Tageszeitung "Maariv", schlägt nun zurück und gibt sich als Opfer einer Erpressung.

"Sieht so das organisierte Verbrechen aus?," fragen besorgte Bürger und Kommentatoren angesichts der stetigen Ausweitung der Affäre Nimrodi. Noch halten Justiz und Polizei dagegen, doch wenn die Enthüllungen im bisherigen Tempo weitergehen und Verurteilungen nach sich ziehen, dann ist der Tag nicht fern, an dem "die Existenz italienischer oder amerikanischer Zustände im Heiligen Land" registriert werden muss.

Die Untersuchungshaft von drei hohen Polizeioffizieren - einem ehemaligen Postenkommandanten, einem Ex-Oberstleutnant und einem Polizeimajor im Dienst - wurde am Donnerstag verlängert. Sie werden verdächtigt, von Nimrodi bestochen worden zu sein und ihm Informationen über die gegen ihn laufenden Untersuchungen zugespielt zu haben. Die Polizei behauptet, handfeste Beweise für diese Bestechungen zu besitzen. Major Arie Silberman war ursprünglich mit der Untersuchung - ebenfalls wegen Abhörverdachtes - gegen Nimrodis übermächtige Konkurrenten vom Massenblatt "Yedioth Ahronoth", Verleger Arnon Moses und die Chefredaktion, beauftragt gewesen.

Nimrodi selbst ist seit der Ausweitung der Äffäre nicht verhört worden. Er hat seine Haftstrafe von acht Monaten Gefängnis für illegales Abhören der Konkurrenz und eigener Journalisten zur Hälfte abgesessen. Angesichts der ständig zunehmenden Beweislast ist Nimrodi nun zum Gegenangriff übergegangen. Erstmals hat er sich in der Öffentlichkeit geäußert und mit weinerlicher Stimme erklärt, er sei nur unschuldiges Opfer ruchloser Erpresser. Ähnliches hatte er allerdings auch behauptet, als seine Lauschangriffe aufgedeckt worden waren.

Nimrodis Anwälte reichten am Donnerstag bei der Polizei Belastungsmaterial gegen den ursprünglich von Nimrodi mit den Lauschangriffen beauftragten Privatdetektiven Rafi Friedan ein. Sie verzichteten aber darauf, formell Anzeige wegen Erpressung zu erstatten und sie konnten nicht überzeugend erklären, warum die Anzeige erst jetzt erfolgt. Nimrodi will Tonbandaufnahmen besitzen, die beweisen, dass Friedan nach dem Erhalt von rund einer Million Dollar zusätzliche Millionen als Schweigegeld gefordert habe. Andernfalls werde er Nimrodi gesellschaftlich erledigen.

Friedan, dessen Angestellte auf frischer Tat beim Abhören der Konkurrenz im Auftrag Nimrodis erwischt worden waren, war Nimrodi zuvorgekommen und hatte mit der Übergabe von belastenden Kassetten an die Polizei die Wiederaufnahme der Untersuchung gegen Nimrodi ausgelöst. Laut Friedans Beweismaterial sollte der Kronzeuge in der Abhöraffäre - Friedans Partner Yaakov Zur - in den Fernen Osten gelockt und dort ermordet werden, bevor er seine Aussage machen konnte. Nimrodi habe ihm 80 000 Dollar angezahlt und eine weitere Million nach der Tat versprochen - doch Zur trat seine Reise nicht an und sagte gegen Nimrodi aus.

Immer laut Zeugenaussagen und Beweismaterial von Privatdedektiv Friedan soll Nimrodi außerdem geplant haben, die Verleger der Konkurrenzzeitungen - Arnon Moses vom Halbboulevardblatt "Yedioth Ahronoth" und Amos Schoken von der seriösen "Haarez" - ermorden zu lassen. Insgesamt laufen derzeit also Untersuchungen wegen dreifacher Mordplanung, Bestechung der Polizeioffiziere und Justizbehinderung gegen Nimrodi, dem sein Vater Yaakov Nimrodi - ein tief in die "Irangate" verstrickter Waffenhändler - die damals hoch verschuldeten "Maariv" aus dem Nachlass des britischen Verlegers Maxwell gekauft hatte.

Friedan hat aber auch die beiden Kandidaten für das Amt des Tel Aviver Oberbürgermeisters bei den Wahlen von 1993 belastet: der siegreiche Ronnie Milo und Avigdor Kahalani sollen bei Friedan illegale Abhörungen des politischen Gegners bestellt haben. Beide waren damals Knessetabgeordnete und zuvor (Milo) oder danach (Kahalani) Minister für Innere Sicherheit.

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