Politik : Siemens plant Atomgeschäft mit Bulgarien

Harald Schumann

Berlin - Deutsche Firmen wollen sich am Bau zweier Atomkraftwerke in Bulgarien beteiligen. Das Unternehmen Areva NP, eine Tochterfirma des Siemenskonzerns und des französischen Staatskonzerns Areva (früher Framatome), will ins Geschäft einsteigen, obwohl der Standort Belene inmitten einer Erdbebenzone liegt. Dies berichteten Sprecher der Umweltorganisationen Urgewald und Greenpeace in Berlin. Gleich vier deutsche Geldhäuser, die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Hypovereins- und die Bayerische Landesbank hätten Interesse an der Finanzierung des voraussichtlich 2,5 Milliarden Euro teuren Projekts bekundet, sagte Urgewald-Sprecherin Regine Richter. Zugleich habe der deutsche Stromkonzern Eon eine Beteiligung an dem Projekt angeboten, schrieb der bulgarische Wirtschaftsdienst „Dnevnik“ unter Berufung auf den Chef der bulgarischen Konzerntochter, Manfred Paasch. Die deutsche Eon-Zentrale sagte auf Anfrage, dazu gebe es „derzeit nichts zu sagen“. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, über das Projekt sei „noch nichts entschieden“, solange der Bauauftrag nicht vergeben sei.

Die beiden Atomkraftblöcke sowjetischen Typs sind seit 1981 geplant und zum Teil auch schon errichtet. Nach dem Sturz des KP-Regimes hatte die neue Regierung das Projekt im Jahr 2001 auf Eis gelegt, weil Gutachter der Akademie der Wissenschaften gewarnt hatten, dass am Standort Belene an der Donau und der Grenze zu Rumänien mit schweren Erdbeben zu rechnen sei. Bei einem Erdstoß im Jahr 1977 waren in nur zwölf Kilometern Entfernung vom Kraftwerksstandort rund 200 Menschen zu Tode gekommen. Auf Drängen des eng mit der russischen Atomindustrie verbundenen bulgarischen Stromkonzerns NEK wurde das Projekt jedoch wieder aufgenommen und neu ausgeschrieben.

Derzeit verhandelt die Regierung in Sofia mit zwei Baukonsortien, die jeweils unter Führung der russischen Firma Atomstroiexport und des tschechischen Maschinenbaukonzerns Skoda JS stehen. Beide Unternehmen gehören mehrheitlich dem russischen Staatskonzern Gasprom. Dabei setzt Atomstroi auf die Technologie von Areva, während Skoda wie schon beim umstrittenen tschechischen Atomkraftwerk Temelin gemeinsam mit dem japanisch-amerikanischen Unternehmen Westinghouse ein Angebot abgegeben hat. Der geplante Reaktortyp wäre wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen „nirgendwo in Westeuropa genehmigungsfähig“, warnte der Greenpeace-Kernkraftexperte Jan Haverkamp.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben