Politik : Siggys Songs

Esther Kogelboom

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Es war ihm peinlich. Und irgendwie kann man auch verstehen, dass Sigmar Gabriel es leid ist, für seine Fraktion den Popbeauftragter zu spielen. Siggy Pop haben sie ihn genannt. Dabei wollte Sigmar Gabriel gar nicht Siggy Pop sein. „Da ich nie das Amt eines Popbeauftragten hatte, kann ich es auch nicht niederlegen“, sagte er gestern. Udo Lindenberg, mit dem Gabriel sich im Landtagswahlkampf im Februar diesen Jahres gezeigt hatte, hat doch so gut zu ihm gepasst.

War Sigmar Gabriel die Popmusik etwa schon immer egal? Werfen wir zum besseren Verständnis einen Blick auf die musikalische Biografie des SPD-Politikers. 1959 wurde Gabriel geboren, 1977 wurde er 18 Jahre alt. Sigmar wurde also erwachsen, als das Ende der Blumenkinder-Ära gekommen war und die Anfänge des Punk und der Neuen Deutschen Welle Westdeutschland erschütterten. 1977 veröffentlichte Kraftwerk die Platte „Trans Europa Express“, während die Sex Pistols „Never mind the Bollocks, Here’s the Sex Pistols“ einspielten.

Es war poptechnisch gesehen ein gutes, weil innovatives Jahr. Und es dürfte Siggy geprägt haben. Kein Wunder, dass der alte Punker Gabriel sich schämt. Das Jahr 2003 war überschattet von zwei „Popstars“-Staffeln und Stefan Raabs bisher ergebnisloser Suche nach einem Schlagersänger für den Grand Prix 2004. Es ist deprimierend. 2003 war kein gutes Jahr für einen Pseudo-Popbeauftragten der Regierung mit Anarcho-Background. Es habe nur die Bitte des Parteivorstandes gegeben, sich ein bisschen um die Musikindustrie zu kümmern, sagte Gabriel nun. Immerhin ginge es um 100 000 Arbeitsplätze. Falsch, ganz falsch. Es geht um viel mehr.

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