Politik : Signal zur Versöhnung

Bischof: Papst-Besuch in Banja Luka ist „Reifeprüfung“ für Bosnien

Gemma Pörzgen[Belgrad]

Der katholische Bischof von Banja Luca spricht von „einer Reifeprüfung“. Der Papst- Besuch an diesem Sonntag sei die „größte Ehre" für seine Stadt, sagt Franjo Komarica. Und die Visite werde zeigen, „in welchem Maß wir zur zivilen, konstruktiven und friedliebenden Welt gehören“.

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen bricht Papst Johannes Paul II. zur Reise in den Balkan auf. Kirchenpolitisch ist der eintägige Besuch im kriegszerstörten Bosnien-Herzegowina aber bedeutsamer als die Visite im benachbarten Kroatien Anfang Juni. Und der Papst hat mit Banja Luka eine Stadt gewählt, in der überwiegend serbisch-orthodoxe Gläubige leben und in der die Erinnerung an den Krieg noch frisch ist. Bis zum Ausbruch des Krieges 1992 galt Banja Luka als multiethnische Stadt. Bei den Kämpfen wurden viele Kroaten und fast alle Moslems vertrieben. Heute ist die Stadt mit ihren rund 200 000 Einwohnern von Serben dominiert. Von ehemals etwa 70 000 römisch-katholischen Kroaten blieben nach Caritas-Angaben nur rund 2000.

Papst Johannes Paul II. will in Banja Luka Versöhnung und gegenseitige Verständigung predigen. Dies entspricht dem Bestreben des aus Polen stammenden Kirchenführers nach einem verbesserten Verhältnis zur orthodoxen Kirche und zur Ökumene. Zu einem Treffen mit dem in Belgrad ansässigen Patriarchen der serbisch-orthodoxen Kirche, Pavle, wird es aber nicht kommen. Erst Anfang Juni hatte der serbisch-montenegrinische Präsident Svetozar Marovic den Papst im Vatikan besucht und ihn auch zu einem Besuch in sein Land eingeladen.

Als einer der Höhepunkte der Reise gilt die Heiligsprechung des in Banja Luka geborenen Lehrers Ivan Merz. Zehntausende von Gläubigen werden auch aus den Nachbarstaaten erwartet. Für den Gottesdienst wählten die Organisatoren den historisch belasteten Vorort Petricevac. Hier wurde im Mai 1995 die St. Antonius-Kirche des Franziskaner-Ordens von bewaffneten Uniformierten zerstört. Am selben Ort hatten kroatische Ustascha-Kämpfer unter Teilnahme eines Franziskanerpaters 1942 mehr als zweitausend Serben getötet. In der serbisch-orthodoxen Geistlichkeit wird die Wahl dieses Platzes als nicht sehr sensibel gewertet und bedauert, dass der Papst-Besuch nicht stärker im Dialog vorbereitet wurde.

Aus Sorge um die Sicherheit des Papstes sollen über 4000 Polizisten und Soldaten der internationalen Friedenstruppe Sfor für seinen Schutz sorgen. Alle Hochzeiten und Versammlungen wurden für den Tag abgesagt.

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