Politik : Silber für Pechstein - Tränen für Friesinger

Die Berlinerin Claudia Pechstein (Foto) freute sich über die Silbermedaille über 3000 Meter bei der Eisschnelllauf-WM in Inzell. Gold ging an die Kanadierin Cindy Klassen. Die Lokalmatadorin Anni Friesinger stürzte und musste ihre Titelträume begraben.

Inzell (04.03.2005, 18:27 Uhr) - Claudia Pechstein ballte nach Silber die Siegerfaust, Anni Friesinger hob nach ihrem Sturz-Drama verzweifelt die Arme und ließ den Tränen freien Lauf. In Inzell ist am Freitag eine lange Serie gerissen, denn bislang gingen die Weltmeister-Titel auf der 3000-m-Distanz immer an deutsche Eisschnellläuferinnen. Einen Strich durch die Rechnung machte bei Sonnenschein, aber empfindlicher Kühle erneut die starke Kanadierin Cindy Klassen, die in 4:10,37 Minuten ihr zweites Gold nach dem über 1500 m am Vortag holte. Den undankbaren vierten Platz belegte Daniela Anschütz (Erfurt/4:13,90).

Anni Friesinger hingegen musste vor 6000 Fans ihre Titelträume schon ausgangs der zweiten Runde begraben. Sie strauchelte, rutschte mit dem Rücken gegen die Bande und verletzte sich dabei den Zeigefinger der rechten Hand. Enttäuscht schüttelte sie den Kopf und ließ sich selbst von ihrem Trainer Markus Eicher nicht trösten. Mit schmerzverzerrtem Gesicht war ein Winken der einzige Gruß an die Fans, dann verschwand sie zunächst mit dem Arzt in den Kabinen des Ludwig-Schwabl-Stadions.

Eine spätere Röntgenuntersuchung im Krankenhaus Siegsdorf ergab, dass ihr Finger nicht gebrochen ist. Die Diagnose lautet auf Kapsel-Verletzung, der Finger wurde in Gips geschient. Einem Start am Samstag steht damit nichts im Wege. «Ich hoffe sehr, ich kann morgen im Team wieder laufen. Es ist wie verhext: Ich bin in Topform und kann es nicht zeigen», bedauerte sie. «Ich hatte im Sport so wunderbare Momente, jetzt ist es einer der beschissenen», ärgerte sie sich.

Claudia Pechstein hingegen ging noch gezeichnet von den Spuren ihres grippalen Infekts in das Rennen. Um überhaupt noch bis zum WM-Start fit zu werden, war sie mehrere Tage mit Antibiotika behandelt worden, deren Nachwirkungen sie im entscheidenden Wettkampf noch beeinträchtigten. «Für mich ist Silber aber ein Riesenerfolg. Das Rennen war extrem hart. Die Kälte ist einfach nicht mein Ding», meinte sie strahlend nach der Siegerehrung, obwohl sie in 4:10,87 ihren Titel von Seoul nicht verteidigen konnte.

«Ich weiß nicht, wo ich die 5/100 auf Klassen verloren habe, vielleicht lag es daran, dass meine Gegnerin Renate Groenewold heute nicht stark genug war, um mich nach vorne zu ziehen», spekulierte die Berlinerin und grüßte über Lautsprecher ihre Fans und ihren Mann Marcus. In den Tagen zuvor hatte sie sich den Zorn der Verbands-Führung zugezogen, als sie in der Öffentlichkeit permanent auf Kommunikationsdefizite von Cheftrainer Helmut Kraus hinwies.

«Das hätte ich nicht so gemacht. Ich bin ein Typ, der versucht, solche Probleme intern aus dem Weg zu räumen», meinte Anni Friesinger dazu. «Das hat sie heute aber nicht behindert. Das waren eher die Folgen des Infekts. Ich bin kein Mann von großen Emotionen: Wir haben verloren, am Sonntag greifen wir über 5000 m neu an», urteilte Pechsteins Trainer Joachim Franke. «Ich denke wir kommen wieder zueinander, wenn Herr Kraus auch mal zugibt, dass er einen Fehler gemacht hat», sagte Claudia Pechstein zum anhalten Dauerstreit.

Die 500 m der Herren endeten mit einem japanischen Doppelerfolg. Der Sieg ging an Joji Kato, der nach zwei Laufbestzeiten in 35,57 und 35,45 Sekunden den fünffachen Weltmeister Hiroyasu Shimizu (71,460) auf den zweiten Platz verwies. Der Neu-Inzeller Dino Gillarduzzi wurde bei seiner WM-Premiere für Deutschland 16 (73,130). (tso) ()

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben