Simbabwe : Mugabe bei Parlamentseröffnung ausgebuht

Fünf Monate ist die umstrittene Wahl her - jetzt hat das simbabwische Parlament seine Arbeit aufgenommen. Trotz ernster Bedenken nahmen auch die Abgeordneten der oppositionellen Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) von Morgan Tsvangirai an der konstituierenden Sitzung teil. Und die machten ihrem Unmut gegen die Teilnahme von Präsident Robert Mugabe lautstark Luft.

HarareErstmals seit der Unabhängigkeit des Landes hat die MDC Mugabes ZANU(PF)-Partei die Mehrheit im Parlament abgerungen. Am Vortag hatte die MDC mit der Besetzung des wichtigen Postens des Parlamentspräsidenten zudem einen Überraschungserfolg erzielt. Bis zuletzt hatte die MDC ihre Teilnahme an der Eröffnung des Parlaments offen gelassen und sich zögerlich gezeigt.

Ihre Kritik richtete sich vor allem gegen die Teilnahme Mugabes, der angesichts des Ergebnisses einer umstrittenen Stichwahl um die Präsidentschaft mit ihm als einzigem Kandidaten nach MDC-Ansicht keine Legitimität als Präsident hat. Mugabe hatte zeitweise Probleme, sich bei der feierlichen Eröffnung Gehör zu verschaffen. Er wurde ausgebuht als er betonte, seine Wiederwahl sei im Vorfeld von "vereinzelten und bedauerlichen Fällen politischer Gewalt" begleitet gewesen.

Die MDC macht seine Anhänger für den Tod von mehr als 125 MDC-Mitgliedern seit der Wahl im März verantwortlich. Sie hatte zudem Vorbehalte wegen der Parlamentseröffnung durch Mugabe, da sie gegen ein Abkommen zur Aufnahme von Gesprächen über eine Machtteilung zwischen Mugabes ZANU(PF) und der MDC verstoße. Diese Gespräche gelten als festgefahren. Sie werden durch die Festnahme eines ranghohen MDC-Mitglieds zusätzlich erschwert. Der einstige afrikanische Modellstaat Simbabwe befindet sich zur Zeit in der schwersten Krise seiner Geschichte. Während Mugabe am Dienstag erneut ungenannte ausländische Mächte dafür verantwortlich machte, gilt seinen Kritikern seine chaotische Landreform sowie sein zunehmend autokratischer Führungsstil als Ursache. (mfa/dpa)

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