Simbabwe : Mugabe relativiert Äußerungen zu Cholera-Epidemie

Die Cholera-Epidemie in Simbabwe ist offenbar noch dramatischer als bislang angenommen. Die Hilfsorganisation Oxfam geht von 60.000 Erkrankten aus - bislang war von 16.000 die Rede. Präsident Robert Mugabe relativierte unterdessen seine Aussage, in seinem Land gäbe es keine Cholera mehr.

Robert Mugabe
Robert Mugabe unter Rechtfertigungszwang. -Foto: dpa

HarareVon der Cholera-Epidemie im afrikanischen Krisenstaat Simbabwe sind nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam weitaus mehr Menschen betroffen als bisher angenommen. Oxfam-Geschäftsführer Paul Bendix sagte am Freitag im rbb-Inforadio, er gehe von etwa 60.000 Erkrankten aus. Es gebe auch Belege dafür, dass die Zahl der Toten weit über den bisher genannten 750 liege. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte zuletzt von mehr als 16.000 Erkrankten in Simbabwe gesprochen.

Die Situation der Menschen verschlimmere sich durch die schlechte Wasserqualität und den Hunger dramatisch, sagte Bendix. Oxfam ist mit mehreren Hilfsprojekten im Einsatz.

Opposition: Mugabes Äußerungen sind "rücksichtslos und fahrlässig"

Simbabwes umstrittener Präsident Robert Mugabe hatte jüngst erklärt, in seinem Land gebe es keine Cholera mehr. Nun relativierte er diese Aussage: Nach Worten eines Sprechers sei diese Äußerung lediglich "sarkastisch" gemeint gewesen. Der Zeitung "Herald" zufolge warf Mugabe-Sprecher George Charamba westlichen Medien am Freitag vor, Äußerungen des Staatschefs absichtlich sinnentstellt wiederzugeben. Er wandte sich explizit gegen die britische BBC und die französische Rundfunkanstalt France 24.

Die Opposition in Simbabwe bezeichnete Mugabes Äußerungen als "rücksichtslos und fahrlässig": "Die Epidemie wütet weiter und breitet sich rasch in allen großen Städten aus", sagte der Gesundheitsexperte Henry Madzorera von der Bewegung für Demokratischen Wandel. Hauptproblem sei, dass die Menschen kein fließendes Wasser zu Hause hätten und die Kanalisation im ganzen Land nicht funktioniere. So lange diese Schwierigkeiten fortbestünden, dürfe niemand sagen, dass die Cholera unter Kontrolle sei. (nis/dpa/AFP)

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