Politik : Simbabwe: Mugabe schürt mit Enteignungen den Rassenhass

Wolfgang Drechsler

Ganz unerwartet kam der Bescheid im Regierungsblatt nicht, doch für David Hasluck brach eine Welt zusammen. In nüchtern-bürokratischem Jargon hieß es dort: "Es wird hiermit öffentlich bekanntgegeben, dass der Präsident beabsichtigt, ihre Farm im Zuge des Landerwerbgesetzes zwangsweise für Umsiedlungszwecke zu erwerben." Unterschrieben ist die Verordnung von Simbabwes Landwirtschaftsminster Joyce Mujuru.

Für Hasluck könnte das Papier, das er in seinen Händen hält, das Ende seines Lebens in Afrika bedeuten. Bis Ende Juni hat er Zeit, Einspruch gegen die Zwangsenteignung zu erheben. Aber die Aussichten auf Erfolg stehen schlecht: Gerade erst hat das Parlament von Simbabwe auf Betreiben von Präsident Robert Mugabe ein Gesetz verabschiedet, nach dem die Regierung Farmen konfiszieren kann, ohne eine Entschädigung zu zahlen. Zwar will sie angeblich für "Verbesserungen" am Land wie Schuppen, Straßen oder Bewässerungsgräben zahlen, aber nicht für den Boden selbst. Zunächst sollen in Simbabwe 804 Farmen zwangsenteignet werden - einem Staat im Süden Afrikas, in dem die Landwirtschaft nach 20 Jahren Diktatur der einzige noch funktionierende Wirtschaftszweig ist.

Bis zum Monatsbeginn, als die Pläne der Regierung bekannt wurden, war Hasluck, nebenher Vorsitzender des Interessenverbands der (fast ausschließlich weißen) Großfarmer, ein wohlhabender Landwirt im üppigen Burma Valley östlich von Harare. Der Boden ist hier fruchtbar, das Klima gut. Auf 1300 Hektar pflanzt der Mann mit der sonnengegerbten Haut Tabak, Paprika, Schnittblumen und Lychees. Stolz deutet er auf die Backsteinhäuser, die er seinen 80 Arbeitern und deren Familien gebaut hat.

Wenn Hasluck von seiner Farm erzählt, springt er häufig zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Seit 50 Jahren arbeitet seine Familie auf diesem Stück Land, und das soll jetzt zuende sein? Er will es nicht begreifen. "Sie können mir meinen Hof doch nicht einfach wegnehmen", sagt er ungläubig. "Ich war selbst dabei, als Präsident Mugabe den weißen Bauern nach der Unabhängigkeit versicherte, dass sie einen Platz im Simbabwe hätten."

Die Regierung selbst wiederholt auf Fragen nach den Gründen für die Zwangsenteignung gebetsmühlenartig: Die etwa 4500 weißen Großfarmer säßen auch zwanzig Jahre nach der Unabhängigkeit Simbabwes noch immer auf einem Drittel des besten Ackerlandes, während sich mehr als acht Millionen schwarze Kleinbauern auf dem Rest drängten. Kein Wort davon, dass die Regierung selbst jahrelang nichts dagegen unternommen hat. Kein Wort davon, dass, wenn doch einmal etwas Land verteilt wurde, Parteibonzen und andere Günstlinge des Staatschefs versorgt wurden, nie aber die eigentlich Bedürftigen.

Der Bevölkerung sind die Misswirtschaft und Inkompetenz der Machthaber nicht verborgen geblieben: Erstmals seit dem Machtantritt vor 20 Jahren droht Mugabe bei der am Wochenende anstehenden Parlamentswahl eine Niederlage. Um seine Popularität zu steigern, schürt Mugabe die Konfrontation zwischen den weißen Großfarmern und den schwarzen Habenichtsen, die seit Jahren vergeblich auf ein Stück Land warten.

Die Weißen, hat Mugabe gesagt, verdienten es, dass man sie erschießt, ihre Kadaver müsse man Hunden und Geiern vorwerfen. Dabei wird geschätzt, dass viel mehr Simbabwer durch die Zwangsenteignungen ihren Job verlieren als aus einer Umverteilung Nutzen ziehen werden - die Arbeitslosenquote liegt zwischen 50 und 60 Prozent.

Ein Blick auf eine der Nachbarfarmen Haslucks lässt ahnen, welche Folgen die Enteignungen haben könnten. Vor Jahren schon hat die Regierung das Land gekauft, doch nichts deutet auf der einst fruchtbaren Plantage auf Arbeit hin. Die Farm und Behausungen der Arbeiter sind zerfallen, das Land liegt brach. Fast alle Bäume sind gefällt, zu Feuerholz zerhackt.

Natürlich, Hasluck zweifelt wie die meisten weißen Farmer nicht daran, dass die Landreform notwendig ist. Die meisten hier sehen das so, aber eine Enteignung ohne Entschädigung, die erpresserischen Methoden Mugabes, die lehnen sie ab.

Seit Beginn der Landbesetzungen im März sind bereits mehr als 30 Oppositionelle, darunter vier Farmer, ums Leben gekommen und Tausende (schwarzer) Regimegegner von den Schlägertrupps Mugabes windelweich geprügelt worden.

Mordanschläge auf Farmer, sagt ein Nachbar von David Hasluck, habe es schon in achtziger Jahren gegeben. Auch damals seien Landarbeiter vor Wahlen eingeschüchtert worden, das Ausland habe das damals nicht kritisiert. Hasluck selbst gibt sich trotzig: "Wir mögen jedes Gefühl der Sicherheit verloren haben, aber Afrika und die Farm sind unser ganzes Leben." Aus tiefstem Herzen, sagt er, seien sie Bürger dieses Landes, unter allen Umständen wollten sie hier bleiben. "Es ist genau dieser Wille, der uns jetzt die Kraft zum Durchhalten verleiht."

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben