Simbabwe : Robert Mugabe - Vom Demokraten zum Diktator

Er galt lange Zeit als Hoffnungsträger für Afrika, doch seit sieben Jahren treibt Simbabwes Staatschef Mugabe sein Land in den Ruin. Jetzt hat die EU den Autokraten zum Afrika-Gipfel in Lissabon eingeladen.

Charlotte Plantive[dpa]
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Fäuste hoch und durch. Robert Mugabe (li.) mit seiner Frau Grace bei einer Demonstration in Harare. -Foto AFP

HarareNachdem Simbabwe von der britischen Herrschaft befreit worden war, leitete Robert Mugabe in dem Land zunächst eine vorbildliche wirtschaftliche Entwicklung ein. Doch der 83-jährige Präsident des afrikanischen Landes wandelte sich in seinen bislang 27 Jahren an der Staatsspitze vom Unabhängigkeitshelden zum gefürchteten Autokraten, der Oppositionelle knechten lässt und die Verelendung großer Teile der Bevölkerung gelassen mitansieht. Die fortwährenden Menschenrechtsverletzungen führten dazu, dass die EU Mugabe zur unerwünschten Person erklärte. Nur um des lieben Friedens Willen macht sie am Wochenende eine Ausnahme und lässt den Autokraten zum EU-Afrika-Gipfel in Lissabon anreisen.

Im November starb mit 88 Jahren der frühere südrhodesische Premierminister Ian Smith, der das Land, das nach der Unabhängigkeit in Simbabwe umbenannt wurde, lange unter der Knute der weißen Kolonialherrschaft hielt. "Er hat so viele unserer Leute getötet, er hätte geköpft werden müssen", sagte Mugabe einmal über den verhassten Vorgänger. Zu den Maßnahmen Mugabes, die in den vergangenen Jahren weltweit für Schlagzeilen sorgten, gehörte die Enteignung tausender weißer Farmer, die zunächst noch toleriert worden waren. Doch Mugabes antikolonialistische Überzeugungen waren letztlich stärker. Er ließ die Farmer vertreiben und ihr Land an schwarze Landsleute verteilen, die damit auf Anhieb oftmals nicht zu wirtschaften wussten.

Vom Hoffnungsträger zum Autokraten

Als Mugabe vor 27 Jahren an die Macht kam, galt der Lehrer als Hoffnungsträger. Wenige Wochen nach der Unabhängigkeit gewann der frühere Hirtenjunge mit einem sozialistisch geprägten Programm die Wahl und wurde von der Bevölkerung wie ein Befreier verehrt. Nach sieben Jahren als Regierungschef wurde er Präsident. Selbst seine Gegner zollten ihm lange Zeit Anerkennung für Reformen im Gesundheits- und Bildungssektor, die auf dem Kontinent als beispielhaft gelten. Die Wirtschaft machte er für ausländische Investoren attraktiv.

Doch davon ist heute kaum etwas geblieben. Die Inflationsrate ist auf astronomische 8000 Prozent hochgeschossen, Grundnahrungsmittel wie Brot, Öl und Salz sind in den Geschäften unauffindbar, das Land ächzt unter einer zügellosen Korruption.

Repression begann im Februar 2000

Der Jesuitenschüler Mugabe wurde am 21. Februar 1924 in einer Missionsstation im Nordwesten des Landes geboren. Seine erste Begegnung mit den Befreiungsideen machte er an der Fort-Hare-Universität in Südafrika, wo er vielen späteren Führungsfiguren der unabhängig gewordenen afrikanischen Staaten begegnete. Später zog Mugabe nach Nord-Rhodesien, das heutige Sambia, und nach Ghana, wo er wieder als Lehrer arbeitete, bevor er 1960 in sein Heimatland zurückkehrte. Als Aktivist verschiedener politischer Parteien verbrachte er insgesamt zehn Jahre in Haft.

Der Wandel vom Demokraten zum Despoten lässt sich auf den Februar 2000 datieren. Damals lehnte die Bevölkerung in einem Referendum eine neue Verfassung ab, mit der Mugabe seine Machtstellung zementieren wollte. Darauf setzte ein breite Repression ein, von der sämtliche Führungsfiguren der politischen Opposition, die weißen Farmer, Gewerkschaftsvertreter, Richter und Journalisten betroffen sind.

Mit den Enteignungen der Weißen und der Umverteilung des Landes zugunsten der Schwarzen suchte Mugabe neue Unterstützung unter seinen Landsleuten. Doch niemand täuscht sich darüber, dass seine Macht seither auf tönernen Füßen steht. Wiederholt kündigte Mugabe an, er werde im Jahr 2008 abtreten. Inzwischen ist auch dieses Versprechen hinfällig. Anfang dieses Jahres tat der starrsinnige Autokrat kund, er wolle lieber doch noch zwei zusätzliche Jahre im Amt verweilen.

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