Simbabwe : Tutu: Mugabe tritt nicht freiwillig ab

In Simbabwe steht die Stichwahl für das Präsidentenamt vor der Tür. Die Regierung lässt keine weiteren Beobachter der Wahl zu - und Simbabwes Oppositionsführer Morgan Tsvangirai hat Angst vor einer Rückkehr in seine Heimat. Er habe Morddrohungen erhalten, sagt er.

Mugabe
Robert Mugabe: Der älteste Präsident Afrikas. -Foto: dpa

Harare"Wir haben von glaubwürdiger Seite Hinweise auf einen geplanten Mordanschlag erhalten", sagte Tsvangirais Sprecher. Wer hinter den Anschlagsplänen steckt, konnte er nicht sagen. Die Regierung wies Forderungen der Opposition und der internationalen Gemeinschaft zurück, für die zweite Runde der Präsidentenwahl am 27. Juni zusätzliche unabhängige Beobachter ins Land zu lassen. Südafrikas Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu forderte eine internationale Friedenstruppe für das Nachbarland.

Der Oppositionschef hatte Simbabwe Anfang April verlassen und wollte nach wochenlangem Auslandsaufenthalt ursprünglich am Samstag aus Belfast in seine Heimat zurückkehren. Die Polizei gibt vor, nichts von einer Morddrohung zu wissen. Ein Sprecher in Tsvangirais Bewegung für einen demokratischen Wandel (MDC), der anonym bleiben wollte, sagte hingegen, die Polizei wolle oder könne die Sicherheit von Tsvangirai nicht garantieren.

Tsvangirai fürchtet massive Wahlfälschungen

Tsvangirai steht in der Stichwahl um das Präsidentenamt, die am 27. Juni stattfinden soll. Im ersten Wahlgang hatte der Oppositionsführer 47,9 Prozent der Stimmen erhalten, der 84-jährige Amtsinhaber Robert Mugabe 43,2 Prozent. Um einen fairen Verlauf der Stichwahl zu gewährleisten, forderte Tsvangirai die Entsendung einer Friedenstruppe aus dem Ausland und den Einsatz von Wahlbeobachtern. Er befürchtet massive Wahlfälschungen.

"Die Einladungen, die wir zu Beginn der Wahlen aussprachen, sind immer noch gültig. Es gibt keine weiteren", zitierte die amtliche Zeitung "The Herald" Außenminister Simbarashe Mumbengegwi. Mugabe, ältester Präsident Afrikas, startete eine Anzeigenkampagne in der staatlichen Presse. "Ich danke Euch für eine Wahl in Frieden. Wählt RG Mugabe", hieß es im "Herald".

Wahlbeobachter berichten von Angriffen

Für die erste Runde hatte Simbabwe lediglich Beobachterteams regionaler Organisationen sowie aus China, Russland und Iran zugelassen, mit denen Mugabe weitgehend gute Beziehungen unterhält. Teilnehmen durfte auch eine Handvoll unabhängiger örtlicher Organisationen. Mehrere Mitglieder hätten aber bereits ihre Mitarbeit bei der Stichwahl aufgekündigt, da sie nach einer Reihe von Übergriffen zu große Angst hätten, berichtete das Wahlbeobachternetzwerk ZESN. Laut ZESN wurden Dutzende seiner Beobachter seit dem ersten Durchgang von mutmaßlichen Mugabe-Anhängern angegriffen.

Tutu, ehemaliger Erzbischof von Kapstadt, sagte der "Welt am Sonntag", nur durch den Einsatz einer internationalen Friedenstruppe in Simbabwe könnten die Einschüchterungen gegen die Opposition und die Gewalt durch Mugabe und seine Anhänger eingedämmt werden. "Es wäre im Sinne aller, eine internationale Friedenstruppe nach Simbabwe zu schicken. Das ist der einzige Weg um sicherzustellen, dass keine Gewalt ausgeübt wird." Tutu, der Mugabe persönlich kennt, erwartete nicht, dass dieser seine Macht freiwillig abgebe. Die Europäische Union und die Entwicklungsgemeinschaft Südafrikanischer Staaten (SADC) müssten deshalb Druck auf Mugabe ausüben und ihm klar machen, dass ihm andernfalls möglicherweise eine Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen Menschenrechtsverletzungen drohe.

Der 76-jährige Tutu verurteilte die Gewalt gegen Simbabwer und Ausländer in Südafrika scharf: "Diese Ausbrüche von Ausländerfeindlichkeit sind schlimm, sie gehören zu den furchtbarsten Dingen in Südafrika", sagte Tutu. (kj/AFP)

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