Politik : Sinn Fein stellt Bürgermeister

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Dublin. Die nordirische Hauptstadt Belfast hat seit Mittwochabend einen neuen Bürgermeister: Alex Maskey ist zugleich der erste Vertreter der Sinn-Finn-Partei in diesem Amt. Sinn Fein ist eng mit der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) verbunden. Die Katholikenpartei stellt zwar schon seit einigen Jahren die größte Fraktion im Belfaster Stadtrat, aber der ehemalige IRA-Häftling Maskey ist erst der zweite Katholik in dem rein repräsentativen Amt des Lord Mayor überhaupt.

Die Stadtratsfraktion der überkonfessionellen Allianz-Partei steuerte ihre drei Stimmen zur Wahl Maskeys bei, die mit 26 von 51 Stimmen denkbar knapp ausfiel. Zahlreiche Protestanten werden seine Wahl als Niederlage interpretieren, denn Belfast galt stets als die protestantische Hochburg in Nordirland. Alle 25 unionistischen Stadträte verließen die Ratsstube aus Protest gegen Maskeys Wahl und verzichteten darauf, einen Stellvertreter aus ihren Reihen zu wählen.

Der 50-jährige Maskey wurde 1983 der erste Belfaster Stadtrat seiner Partei überhaupt. Er ist seither zum Fraktionsführer Sinn Feins im nordirischen Parlament aufgerückt und gilt als treuer Gefolgsmann der Parteiführung um Gerry Adams. In den Augen seiner politischen Gegner allerdings verkörpert Maskey immer noch die enge Verbindung zwischen der politischen Partei und der Untergrundorganisation IRA. Er war deshalb mindestens zweimal das Opfer protestantischer Mordanschläge.

Nordirlands Regierungschef David Trimble reiste derweil nach London zu Krisengesprächen mit dem britischen Premierminister Tony Blair. Anlass sind die andauernden Unruhen im Ostteil von Belfast, wo zeitweise bis zu tausend Katholiken und Protestanten handgreiflich aufeinander losgingen. Zuletzt wurde ein katholisches Begräbnis von Protestanten in Ost-Belfast attackiert. Nach Angaben der Polizei ziehen bei den Auseinandersetzungen alle großen Untergrundverbände im Hintergrund die Fäden. Schusswaffen kommen regelmäßig zum Einsatz. Die konfliktreichen Sommer-Paraden der Unionisten haben dabei noch nicht einmal begonnen.Martin Alioth

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