Sinti und Roma : Der Wunsch nach einem Mahnmal

Heute vor 65 Jahren begannen die Deportationen von Sinti und Roma in das Konzentrationslager Auschwitz. Zum Gedenken daran sprach Ministerpräsident Matthias Platzeck. Und nährt neue Hoffnungen auf ein Holocaust-Mahnmal.

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Die letzte Ehre: Romani Rose (l.), erster Vorsitzender des Zentralrates der Sinti und Roma in Deutschland, legt mit zwei anderen...Foto: ddp

PotsdamDurch das Gedenken an die Verstorbenen könne dieser Volksgruppe ein Stück Identität zurückgegeben werden, sagte  Platzeck heute in der Gedenkstätte Sachsenhausen anlässlich des 65. Jahrestages des sogenannten Auschwitz-Erlasses vom 16. Dezember 1942. Damals hatte die Deportation von rund 23 000 Sinti und Roma aus ganz Europa, darunter 10.000 aus Deutschland, in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau begonnen.

Sinti und Roma erst an 1995 als Minderheit anerkannt

Er habe großen Respekt davor, dass sich die Zeitzeugen an diesem Tag ihrer Erinnerung stellen, sagte Platzeck. Die Sinti und Roma seien wie die Juden diskriminiert und gedemütigt worden. Platzeck bedauerte, dass rund 70.000 Sinti und Roma deutscher Staatsangehörigkeit erst seit 1995 als nationale Minderheit anerkannt werden. Aus diesem Grund sei ihnen finanzielle Unterstützung sowie mitmenschliche Anteilnahme versagt geblieben.

Fast alle damals deportierten Sinti und Roma waren im Lager Auschwitz-Birkenau ermordet worden. In Sachsenhausen waren mehr als 1000 Sinti und Roma inhaftiert.

Bitte um eigenes Holocaust-Mahnmal

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma forderte unterdessen erneut den Bau des Holocaust-Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma. Die Überlebenden hätten ein Recht darauf, selbst an der Eröffnung des Mahnmals in Berlin teilnehmen zu können, sagte Zentralratsvorsitzender Romani Rose am Mittwoch. Deutschland müsse seiner Verantwortung gerecht werden und sich zu seiner Geschichte bekennen. Es gebe "keinen seriösen Grund" für einen Aufschub des Denkmalbaus. Der Zentralrat habe die Ministerpräsidenten der Länder und den Bundesrat um eine Initiative gegenüber Bundesregierung und Bundesrat gebeten. Diese Bitte soll morgen im Bundesrat besprochen werden. (liv/ddp/dpa)

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