Sipri-Zahlen : Die Welt rüstet weiter auf

Auch wenn die meisten Nato-Staaten künftig weniger Geld für Waffen ausgeben wollen, steigen weltweit die Rüstungsausgaben. Vor allem die Schwellenländer rüsten auf.

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An Leopard 2-Panzern wird in einer Werkshalle der Rheinmetall DeTec AG in Unterlüß gearbeitet.
An Leopard 2-Panzern wird in einer Werkshalle der Rheinmetall DeTec AG in Unterlüß gearbeitet.Foto: dpa

Der weltweite Rüstungsmarkt boomt weiter – trotz der weltweiten Wirtschaftskrise. Die Staatsausgaben für Kampfflugzeuge, Panzer, Kriegsschiffe und anderen Waffensysteme stiegen 2009 nach Angaben des unabhängigen schwedischen Friedensforschungsinstitut Sipri um 14,8 Milliarden US-Dollar auf 401 Milliarden Dollar. Die Rüstungsexperten aus Stockholm präsentieren am Montag die ersten Daten über den globalen Rüstungshandel, die im kommenden Jahrbuch 2011 veröffentlicht werden. Sipri gilt neben dem IISS in London als bedeutendster Think Tank im Bereich der Sicherheitspolitik und Rüstung in Europa.

Der weltweite Waffenhandel konzentriert sich auf wenige Unternehmen, die vor allem in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa sitzen – von den 100 größten Rüstungskonzernen haben 78 ihren Sitz in den USA und in der EU. Zehn der größten Rüstungsfirmen kommen aus Asien, drei aus Israel sowie jeweils eine aus Kuwait und der Türkei. Allein die weltweit zehn größten Rüstungsunternehmen verdienten mit dem Waffenhandel rund 228 Milliarden Dollar, das sind 56,9 Prozent der von Sipri insgesamt ermittelten Umsätze aus dem Waffenhandel.

Seit 2002, als der Kampf gegen den Terror und der Krieg in Afghanistan begann, haben sich die globalen Rüstungsausgaben mehr als verdoppelt. Seitdem rüsten nicht nur die Nato-Staaten auf, die einen Großteil der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) stellen, sondern auch Russland, China und Indien.

Zwar sinken die Wehretats in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Deutschland und anderen Nato-Staaten in den kommenden Jahren deutlich. Die Aufträge an die Rüstungsindustrie werden aber langfristig vergeben, so dass die erzwungenen Einsparungen für die kommenden Jahre noch nicht auf die Bilanzen durchschlagen. Andere Staaten, vor allem Schwellenländer, rüsten zudem weiter auf. Russland plant in den kommenden Jahren seine Verteidigungsausgaben um 60 Prozent zu erhöhen, Brasilien um 23 Prozent, China um sieben, Indien um vier Prozent.

Die bedeutendsten Waffenhersteller kommen aus Amerika. Sipri zählt Lockheed Martin aus den USA zum größten Rüstungskonzern der Welt. Das Unternehmen produziert unter anderen Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge. Dahinter folgen BAE System aus Großbritannien, der US-Flugzeugbauer Boeing, Northrop Grumman (USA), General Dynamics (USA), Ratheon (USA). Danach folgen der europäische Konzern Eads, der unter anderen den Eurofighter, Satelliten und die Transportmaschine A400M herstellt, Finmeccanica aus Italien, L-3 Communication (USA) und United Technologies (USA).

Deutsche Firmen sind nicht unter den Top-30 der größten Rüstungsproduzenten vertreten. Es sei denn, man zählt Eads dazu, an der Daimler mit rund 23 Prozent beteiligt ist. Der Konzern unterhält unter anderem in Hamburg und Machning große Produktionsstandorte. Das Unternehmen Rheinmetall, das die Bundeswehr und andere Streitkräfte mit dem Kampfpanzer Leopard 2, dem Schützenpanzer Puma oder dem Transportpanzer Fuchs ausrüstet, liegt laut Sipri auf Platz 32 der weltweit größten Rüstungsschmieden. Krauss-Maffei Wegmann (KMW), ebenfalls ein Produzent von Panzern und geschützten Fahrzeugen, auf Platz 50 und ThyssenKrupp, auf dessen Werften moderne U-Boote und andere Kriegsschiffe gebaut werden, auf Platz 53. Von diesen drei Unternehmen verfügen zwei über große zivile Sparten, bei ThyssenKrupp macht der Waffenverkauf etwa nur rund drei Prozent vom Umsatz, bei Rheinmetall 55 Prozent aus. Zu den größeren deutschen Rüstungsunternehmen gehört außerdem Diehl und MTU, das unter anderen Flugkörper und Artilleriegeschosse fertigt.

Laut dem Sipri-Jahrbuch 2010 (das Jahrbuch 2011 erscheint erst im Juni) zählt Deutschland hinter den USA und Russland zu den größten Waffenexporteuren. In den vergangenen fünf Jahren haben deutsche Firmen ihre Rüstungsexporte fast verdoppelt. Aus Deutschland wurden vor allem die Türkei, Griechenland und Südafrika mit Rüstungsgütern beliefert. Neben U-Booten zählen vor allem Panzer und geschützte Fahrzeuge zu den deutschen Exportschlagern – neben den Sturmgewehren und Maschinengewehren von Heckler & Koch.

Insbesondere die Kriege in Irak und Afghanistan sorgten für steigenden Bedarf an Munition, neuen Waffen, Aufklärungssystemen wie Drohnen und Satelliten, aber vor allem an geschützten Fahrzeugen. Davon profitierten auch Rheinmetall und KWM. Sie stellen unter anderem Fahrzeuge her, welche die Soldaten im Innenraum vor Sprengfallen und Raketenbeschuss schützen sollen.

Der Dingo 2 von KMW wird nicht nur von der Bundeswehr, sondern auch von den österreichischen, norwegischen und anderen Streitkräften in Afghanistan eingesetzt. KMW und Rheinmetall entwickeln gemeinsam zudem neue Fahrzeuge. Allein bei der Bundeswehr bestehe ein Bedarf an 2.000 geschützten Fahrzeugen, wenn die Pläne von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg für die Bundeswehr umgesetzt werden, schreibt das Fachblatt Strategie & Technik.

Für konventionelle Waffen wie Kampfjets, Panzer oder Maschinengewehre, gibt es kaum weltweit geltende Rüstungskontrollvereinbarungen. Wenn es der eigenen Rüstungsindustrie gilt, zeigen sich viele Regierungen bei Ausfuhrgenehmigungen großzügig. Die US-Rüstungsschmieden beliefern etwa Ägypten, Saudi-Arabien und Israel mit schweren Waffen. Französische Firmen statten die russischen und brasilianischen Streitkräfte mit Hightech-Systemen, etwa modernen Hubschrauberträgern, aus. Und auch deutsche Firmen liefern Waffen an Länder, in denen Konflikte herrschen. Gegen den Kleinwaffenproduzenten Heckler & Koch ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Die Firma lieferte Sturmgewehre nach Mexiko, die auch in Provinzen gelandet sein sollen, in die der Export verboten ist.

Quelle: ZEIT Online

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