Skandal-Predigt : Australischer Mufti gibt Frauen Schuld an Vergewaltigungen

Frauenfeindliche Äußerungen des höchsten muslimischen Geistlichen in Australien haben einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Frauen ohne Schleier bezeichnete er als "unbedecktes Fleisch".

Sydney - In einer Predigt während des Fastenmonats Ramadan kritisierte Sheik Taj Aldin al-Hilali Frauen, die sich "verführerisch in den Hüften wiegen" und Make-up tragen, wie die Zeitung "The Australian" berichtete. Inzwischen entschuldigte sich Hilali "vorbehaltlos bei jeder Frau, die durch meine Bemerkungen verletzt ist". Australiens Premierminister John Howard bezeichnete die Äußerungen des Geistlichen als "erschreckend und verwerflich".

"Unbedecktes Fleisch" sei ein Problem, hieß es in der Predigt dem Zeitungsbericht zufolge. Werde es "ohne Bedeckung draußen auf die Straße gelegt oder in den Garten oder in den Park, dann kommen die Katzen und essen es. Ist das nun die Schuld der Katzen oder des unbedeckten Fleisches?", habe Al-Hilali gesagt. Seiner Entschuldigung fügte er hinzu, er habe lediglich beabsichtigt, die Ehre der Frauen zu verteidigen. In der Berichterstattung von "The Australian" sei das verloren gegangen. Al-Halili sagte der Zeitung, er habe sich auf Prostituierte bezogen und nicht auf Frauen ohne Schleier. Dem Blatt zufolge taucht das Wort Prostituierte in der Predigt aber nicht auf.

Al-Hilali fiel schon öfter mit ähnlichen Äußerungen auf

Es sei eine groteske Idee, Frauen selbst für eine mögliche Vergewaltigung verantwortlich zu machen, sagte Howard. Die Gleichberechtigungsbeauftragte Pru Goward forderte die Ausweisung Al-Hilalis. Dieser sei schon häufiger mit ähnlichen Bemerkungen aufgefallen. Goward sagte, die Äußerungen von Al-Hilali seien eine Anstiftung zu Verbrechen. Jeder junge Muslim, der eine Frau vergewaltige, könne nun die Zitate des Geistlichen vor Gericht anbringen.

Islamische Gruppen in Australien distanzierten sich von den Äußerungen des Geistlichen. Der Islamrat des Bundesstaates New South Wales nannte sie "unislamisch, unaustralisch und unakzeptabel". (tso/AFP)

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