• Skandal um makabre Soldatenfotos Deutsche posieren in Afghanistan mit Totenschädel / Beteiligte sollen gefeuert werden

Politik : Skandal um makabre Soldatenfotos Deutsche posieren in Afghanistan mit Totenschädel / Beteiligte sollen gefeuert werden

Robert Birnbaum,Frank Jansen

Berlin - Bundeswehrsoldaten haben im Jahr 2003 bei einem Patrouilleneinsatz in Afghanistan mit dem Schädel eines Toten makabre Fotoszenen gestellt. Bundesregierung und Militärführung reagierten entsetzt auf die von der „Bild“-Zeitung veröffentlichten Bilder und kündigten harte Strafen für die Schuldigen an.

An dem Vorfall waren nach dem Bericht fünf Soldaten beteiligt, die in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul unter Leitung eines Feldwebels Patrouille fuhren. Sie hätten nahe einer Lehmgrube einen Menschenschädel gefunden. Auf einem Bild sind zwei Soldaten des deutschen Afghanistankontingents zu sehen, die mit dem Totenschädel auf der Motorhaube ihres Jeeps posieren. Ein anderes Foto zeigt einen Soldaten mit entblößtem Penis in der linken und dem Schädel in der rechten Hand. Die Aufnahmen entstanden nach Aussage eines Bundeswehrangehörigen bereits im Frühjahr 2003. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums stammt der Totenschädel eventuell von einem Friedhof und könnte durch die Witterung freigelegt worden sein. Unklar ist, ob es sich um Überreste eines Afghanen oder eines russischen Soldaten handelt.

Die Bundesregierung reagierte entsetzt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte den Vorfall „empörend und abscheulich“. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sagte dem Tagesspiegel, dieses Fehlverhalten sei „inakzeptabel“. Es gefährde den Einsatz in Afghanistan insgesamt nicht. „Aber es ist für das Image der Bundeswehr natürlich negativ“, sagte der Nato-Chef. Die Regierung sicherte zu, dass der Vorfall mit Hochdruck aufgeklärt und die Schuldigen dienst- und strafrechtlich verfolgt würden. „Wer sich so verhält, hat in der Bundeswehr keinen Platz“, sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, der Vorfall schade dem Ansehen der Bundeswehr. Laut Experten empfinden Muslime die Störung der Totenruhe als „übles Vergehen“. Der afghanische Wirtschaftsminister Amin Farhang sagte „Spiegel online“: „Ich war von Abscheu und Ekel ergriffen, als ich die Fotos sah.“ Man dürfe den Vorwurf in keinem Fall auf die ganze Bundeswehr ausdehnen, doch seien heftige und sogar gewalttätige Reaktionen im Land zu befürchten.

Nach Angaben von Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan wurden zwei Verdächtige verhört – ein Stabsunteroffizier und ein früherer Stabs- oder Hauptgefreiter. Es soll sich um Gebirgsjäger aus Mittenwald handeln. „Bild“ wollte zum Informantenschutz die Originalfotos nicht herausgeben, auf denen Gesichter und Autokennzeichen zu erkennen sind. Bei der Bundeswehr hat sich aber ein Informant gemeldet. Auch ließen die Fahrzeuge Rückschlüsse auf die Beteiligten zu.

Das Kabinett beschloss am Mittwoch, die Beteiligung der Bundeswehr am US-geführten Antiterroreinsatz „Enduring Freedom“ fortzusetzen, der sich auch auf Afghanistan bezieht. Die Grünen machten deutlich, dass sie ihre Zustimmung im Bundestag von Auskünften der Regierung zur Rolle der Eliteeinheit KSK in Afghanistan abhängig machen wollten. Der Bremer Türke Murat Kurnaz hatte den Vorwurf erhoben, ein KSK-Soldat habe ihn 2002 in einem US-Gefangenenlager in Afghanistan misshandelt. Auch das Weißbuch zur deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik passierte gestern das Kabinett. Es steckt unter anderem einen neuen Rahmen für Auslandseinsätze der Bundeswehr ab.

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