Skiunfall : Dieter Althaus: Tödlicher Fahrfehler

Ein Gutachter belastet Thüringens Ministerpräsident Althaus – die Schuldfrage aber bleibt weiter offen.

Matthias Meisner
255757_0_9f998dad.jpeg
Unglückspiste. Der Hergang des Skiunfalls von Dieter Althaus (Archivbild) auf der Riesneralm ist weitgehend rekonstruiert. Althaus...

BerlinDer schwere Skiunfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU) war offenbar die Folge eines Fahrfehlers. Das berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf ein zehnseitiges Gutachten, das der Staatsanwaltschaft im österreichischen Leoben vorliege. Der Sachverständige habe sich dahin allerdings nicht zur Schuldfrage geäußert. Offen bleibt, ob die Ermittlungen in Österreich zur Eröffnung eines Hauptverfahrens führen. Dazu wird auf ein weiteres Gutachten gewartet. Im Falle einer Anklage wegen "fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen" drohen Althaus bis zu drei Jahren Haft.

Bei dem Unfall am Neujahrstag war Althaus mit der 41-jährigen Slowakin Beata C. zusammengestoßen, diese hatte nicht überlebt. Althaus erlitt schwere Kopfverletzungen. Er wird noch immer in einer Rehabilitationsklinik am Bodensee behandelt. Nach Einschätzung seiner Ärzte könnte er in der ersten Märzhälfte vernehmungsfähig sein. Die CDU in Thüringen kommentierte den Bericht nicht. Man wolle sich "nicht an Spekulationen beteiligen", sagte ihr Sprecher Heiko Senebald dem Tagesspiegel. Die Landes-CDU rechnet weiter mit dem Comeback ihres Spitzenkandidaten: "Wir sind nach wie vor optimistisch und stehen zu ihm."

Die Frau konnte den Unfall nicht verhindern

Für das Gutachten wurde der polizeiliche Unfallbericht und der rechtsmedizinische Befund ausgewertet. Der Sachverständige besichtigte auch den Unfallort und kommt zu dem Ergebnis, dass Althaus mit einer Geschwindigkeit von rund 40 Kilometern pro Stunde von der Piste "Die Sonnige" in die "Panorama"-Abfahrt eingebogen und knapp 15 Meter bergauf gefahren sei. Die Slowakin sei deutlich langsamer - mit etwa zehn Kilometern pro Stunde - diesen Hang hinabgefahren. Althaus habe ein Absperrnetz, das aus Sicherheitsgründen über einen Teil der Panorama-Piste gespannt sei, umkurvt und sieben Meter dahinter die Frau in einem Winkel von 90 Grad getroffen. Die Rekonstruktion habe ergeben, dass für die Frau keine Chance bestanden habe, den Unfall - etwa durch Ausweichen - zu verhindern. Die Rechtsanwälte der beteiligten Parteien lehnten eine Stellungnahme ab - ihnen sei das Gutachten nicht bekannt, erklärten sie dem "Spiegel".

Der Spitzenkandidat der Linkspartei für die Wahl am 30. August, Bodo Ramelow, sagte dem Tagesspiegel zu dem Gutachten: "Das überrascht mich nicht. Man musste davon ausgehen, dass es einen Fahrfehler gab." Welche Konsequenzen die Justiz in Österreich aus den "rätselhaften Umständen" des Falles zieht, ist für ihn aber nach wie vor offen, damit etwa auch, ob Althaus nur einfache oder grobe Fahrlässigkeit vorgehalten werde.

Bisher gab es nur vage Informationen über den Gesundheitszustand

Interessanter ist für Ramelow die Frage, ob und gegebenenfalls wann sich Althaus auf der politischen Bühne zurückmeldet. Für den 14. März hat die CDU zu einer Landesvertreterversammlung nach Waltershausen geladen - gut fünf Monate vor der Wahl müsste sie sich dann eigentlich sicher sein, ob Althaus wirklich antreten kann. Ramelow sagte, die CDU Thüringen wirke in dieser Frage hilflos: "Keiner traut sich irgendwas zu durchdenken, weil er in den Verdacht geraten würde, Meuchelmörder zu sein." Eine Frist wird Althaus nach Angaben aus der thüringischen CDU ausdrücklich nicht gesetzt.

Die Ärzte der Rehabilitationsklinik in Allensbach haben bisher nur vage Informationen über den Zustand von Althaus gegeben - offenkundig wollen sie erreichen, dass es ruhiger um ihren Patienten wird. Diese Strategie wurde am Mittwoch unter tragischen Umständen durchkreuzt: An diesem Tag starb der 80-jährige Vater von Dieter Althaus in einer Klinik im Eichsfeld. Die Nachricht selbst wurde dem Politiker übermittelt. Keiner aber will die Frage beantworten, ob der Ministerpräsident am Dienstag an der Beerdigung teilnehmen wird.

Behördenintern umstritten ist laut "Thüringer Allgemeine" ein diese Woche bekannt gewordener Erlass des thüringischen Innenministeriums zu dem Fall. Das Ministerium hatte das Landeskriminalamt angewiesen, ein Lagebild zu "strafrechtlich relevanten Äußerungen" über Dieter Althaus zu erstellen - im Internet hatte ein Hannoveraner behauptet, Althaus habe Beata C. "umgebracht". Hinweise auf weitere Schmähungen wurden nicht gefunden. Nach Angaben des in Erfurt erscheinenden Blattes reden viele im Landesministerium von einem "Schnüffelerlass". Ein ähnliches Lagebild sei im Freistaat nach der Wende vermutlich noch nie in Auftrag gegeben worden, hieß es.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben